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Regional Barockmusik im Krankenhaus
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00:30 20.05.2018
Der Sänger Paul Hopwood. Quelle: Udo Hinz)
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Göttingen

Überall Konflikte: Kriege und Frieden, Intrigen am königlichen Hofe und emotionale Verzweiflung. Paul Hopwood hat für sein Gesangsrezital Lieder und Arien zusammengetragen, die innere und äußere Kämpfe thematisieren – ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „Konflikte“ der Händel-Festspiele. Der Sänger, der in der diesjährigen Oper „Arminio“ den Varo verkörpert, zeigt sich an diesem Abend von einer emotional sehr wandlungsfähigen Seite. Händels Arie „Sound an Alarm“ aus Judas Maccabaeus geht er energievoll und festlich an. Den von Benjamin Britten arrangierten Folksong „The Soldier and the sailor“ singt er mit einem verschmitzten Lächeln und zeigt seine humorvolle Seite. Die „Elegie“ von Henri Duparc durchdringt der Sänger emotional voller Trauer. Richard Strauss’ Gedichtvertonung „Allerseelen“ verleiht er mit seiner Stimme eine aufwühlende Dramatik.

Klang-Juwel

Architektonisches Vorbild sind romanische Kirchen: ein Halbkreis und ein Quadrat bilden den Grundriss der Kapelle im Krankenhaus Neu-Mariahilf. Diese Form der 2017 eingeweihten Kapelle sorgt für ein außergewöhnliches Klangerlebnis bei Konzerten: Zuhörer sitzen direkt im Klang der Musik und können die Musiker von jedem Sitzplatz hervorragend hören. Eine schalldämmende Decke und Schrankwand sowie ein Holzfußboden verstärken die Klang-Aura dieses Ortes. Die Akustik ist warm und transparent – ideal für die zarten und differenzierten Klänge von Kammermusik.

„Die Kapelle mit sechzig Sitzplätzen ist ein Begegnungsort zwischen Patienten, Seelsorge und Künstlern“, so Christoph Engelke, Chefarzt der Radiologie im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Gemeinsam mit der Seelsorge organisiert er die Konzerte. Der Kontakt zu den Händel Festspielen entstand beim Weihgottesdienst. Tobias Wolff, Geschäftsführender Intendant der Festspiele, war anwesend und von der Akustik begeistert.

Die Kapelle verfügt noch über eine weitere Besonderheit: einen sehr seltenen Bechstein B-Flügel aus dem Jahr 1911. Das wertvolle historische Instrument bietet einen angenehm warmen Klang. „Wir sind stolz auf diesen Flügel“, so Engelke. „Ein ehemaliger Chefarzt hat ihn dem Hospiz gestiftet, und wir haben ihn als Dauerleihgabe erhalten.“

Der Kirchenraum wurde in Kooperation mit einem Tonstudio technisch „State-of-the-Art“ ausgestattet. Fest installierte Mikrofone und eine Kamera übertragen Gottesdienste und Konzerte zudem auf die Krankenzimmer des Krankenhauses.

Hopwoods Ausdruck im Gesang ist im intimen Ambiente der Kapelle unmittelbar zu erleben. Der Zuhörer spürt die Nähe und ist von der Musik und ihren Emotionen geradezu umhüllt. Die humorvolle Moderation des Sängers aus London lässt erahnen, welche Freude ihm dieser Abend bereitet – und sicher auch der Kontrast zu Oper im großen Deutschen Theater.

In Madrid geboren

Begleitet wird er von dem Pianisten Fernando Aguado. Der in Madrid geborene und in England aufgewachsene Musiker begleitet den Sänger temperamentvoll mit oft leuchtendem Ausdruck. Dabei weiß er eigene Akzente zu setzen und spielt immer wieder auf Augenhöhe mit dem Solisten. Dadurch, dass er die barocken Werke auf einem Flügel interpretiert, verleiht er der alten Musik etwas Modernes – ja er zeigt die Zeitlosigkeit der Musik Händels auf.

Romantische Werke

Mit zwei romantischen Werken stellt sich der Pianist als großartiger Solist vor. Bei Robert Schumann „Intermezzo op. 26 Nr. 4“ präsentiert er sich als Künstler, der einem Werk Kraft und Schwung verleiht. Bei Franz Liszt vorimpressionistischem „Nuages Gris“ schlägt er die Klaviertasten mit Bedacht an, schafft Atmosphären und beendet das Stück mit Tönen, die im Hall verklingen – fast wie ein fragendes offenes Ende. Das der Pianist dieses Liszt-Werk an einem selten zu hörenden historischen Bechstein-Flügel mit seinem warmen Klang spielt, gibt dem Abend noch etwas Besonderes. Schließlich hatte Liszt in seiner Wohnung in Weimar auch einen Flügel von Bechstein. Selten hat man diesen Komponisten klanglich so authentisch gehört.

Viel Applaus

Das Publikum bedankte sich für den intimen Liederabend mit viel Applaus. Neben den Konzertbesuchern wurde die Musik noch von mehr Menschen gesehen und gehört: Das Konzert wurde per Video und Live-Stream in die Krankenzimmer des Krankenhauses übertragen.

Von Udo Hinz

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