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Regional Händel-Festspiele: Göttinger Symphonie-Orchester überzeugt
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00:18 16.05.2013
Auch ohne Star-Oboisten überzeugend: Die Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters spielen „Les heures persanes“. Quelle: Heller
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Göttingen

Eine Demonstration von unterschiedlichsten kulturellen Zuschreibungen und musikalischer Raffinesse, die das Publikum in der randvollen Stadthalle ungläubig staunend zurückgelassen hat: „Symphonie Orientale“.

Vier Sätze aus der Orchestersuite „Les heures persanes“ Charles Koechlins (1867-1950) bot das GSO unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller als lyrisch-zarten Einstieg in das Morgenland. Koechlin verzichtete in seiner Komposition auf Sarazenen-Klischees, stattdessen trachtet die Werkanlage danach, zwei Tagesabläufe darzustellen.

Mueller ließ die flächigen Streicherpartien nur sacht anschwellen und traf die ruhige  Grundstimmung des Werkes auf den Punkt. Die folgende Kleine Suite für Streicher Gamal Abdel-Rahims (1924-1988) enthielt nur wenig mehr an Dramatik: Zwar fanden sich hier stürmische Themen, die fünf kurzen Sätze, die 1956 ursprünglich für Klavier komponiert wurden, ließen aufgrund ihrer Kürze allerdings keine motivisch-thematische Arbeit erkennen – was der  Attraktivität des Werkes aber keinesfalls schadet: Sich zurücknehmen und beobachten war das Credo des Konzertbeginns.

Grandseigneur und Publikumsliebling

Eine weise Strategie, denn der nun auftretende Oboist Albrecht Mayer war gekommen, um zuzupacken: Grandseigneur und Publikumsliebling – ein Mann, dessen technische Fähigkeiten und einnehmende Bühnenpräsenz keine andere Rolle zulassen würden. Aber auch das zu interpretierende Werk, von Mayer bei Andreas Tarkmann eigens für seine wundervoll warmklingende Oboe d‘amore in Auftrag gegeben, sollte nicht vergessen werden:

Oboist und Komponist Tarkmann hat ein so geschmackvolles Programm aus verschiedenen Arien und dem Orgelkonzert Nr. 14 A-Dur (HWV 296a) zusammengestellt und arrangiert, dass das Endergebnis namens „Verdi prati“ viel mehr musikalische Bedeutsamkeit und strukturelle Bezüge als eine bloße Suite aufweist.

Nach der Pause war noch eine Aufführung mit Eventcharakter zu verzeichnen: Der Libanese Mahmoud Turkmani, als Komponist und Oud-Spieler aber eher erfolgreicher Kosmopolit, lieferte mit „Tahawool“ eigens für die Händel-Festspiele eine Auftragskomposition. So unterschiedlich er die Tonsprache im Vergleich zu Koechlin  auch gestaltete – die außermusikalische Konzeption seiner Annäherung an den Orient ähnelt der seines französischen Kollegen:

Bezüge  stellt Turkmani vor allem über die rhythmische Ebene seiner Musik her. Das orchestrale Schlagwerk ist in „Tahawool“, das übersetzt „Wandlung“ bedeutet, omnipräsent. Barocke Einflüsse finden sich einzig in der Instrumentierung, die ein Cembalo vorsieht. Tonal setzt Turkmani auf eine unruhige und texturartig eingesetzte Motivik in den Streichern, deren kurzfristige Entwicklung er gern im Unklaren lässt. Das Endergebnis funktioniert.

„Symphonie Orientale“

Das Konzert mit der „Symphonie Orientale“ von Benjamin Godard (1849-1895) enden zu lassen, ließe sich als Rückschritt empfinden. Als Kind seiner Zeit watscht er den gesamten Orient in fünf Sätzen ab. Eine schöne Musik, zweifelsohne – aber insbesondere nach Turkmanis moderner Komposition reagieren die Ohren auf alte Klangklischees lustiger Chinesen und böser Türken  doch etwas empfindlicher als sonst.

Grundsätzlich ist dem GSO aber ein großes Lob auszusprechen: In wichtiger Ergänzung zum Festspielorchester zeigt es reizvolle Wege jenseits der historischen Aufführungspraxis auf. Beide Ensembles liefern damit ein Händel-Erlebnis, das ohne die andere Hälfte einfach nicht dasselbe wäre.

Von Jonas Rohde

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