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Hamburger Musikkabarettist Jan Jahn im Apex Göttingen

„Ökologie so populär wie poppen“ Hamburger Musikkabarettist Jan Jahn im Apex Göttingen

Eigentlich ist es eine gute Idee: Umwelt-Kabarett, also Humor an Informationsvermittlung gekoppelt. In Jan Jahns Programm „In zehn Schritten zum Weltretter“ dreht sich alles darum, wie es möglich ist, umweltschonender zu leben.Der Hamburger Musikkabarettist wünscht sich nämlich, dass „Ökologie so populär wär, wie poppen“.

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Großer Kabarettist: Jan Jahn misst 2,03 Meter.

Quelle: Heller

Göttingen. Und so zieht er ein bisschen wie Al Gore mit seiner Show durch die Republik. Er ist der Meinung, „Weltrettung ohne Mitmachen“ sei wie „Blitzdiät mit Schokolade“, weswegen er sein Publikum am Sonnabend im Göttinger Apex pausenlos einbezieht.

Um seine zehn Weltretter-Tipps von Greenpeace zu präsentieren, müssen ausgewählte Zuschauer als Nummerngirls zur Bühne wackeln und hüftenschwingend die nächste Weisheit à la „Konsumiere nur was du wirklich brauchst und vor allem: weniger“ zu offenbaren. Dass das mehr als zwei Mal witzig ist, liegt eher an den motivierten Mitmachern. 

Zwischen der Präsentation dieser Punkte macht der sympathische 2,03-Meter-Mann Musik. Dafür hat er die „kompakteste Live-Band der Welt“ mitgebracht, sich selbst. In vier verschiedene Mikrofone spricht er Rhythmen ein,  die sich dann in einer Dauerschleife wiederholen und gemeinsam ein Klangspektakel erzeugen. Zu dieser Aufnahme spielt Jahn dann Gitarre oder Klavier und singt.

Den Musikteil des Abends gelingt ihm gut, seine Melodien sind fetzig und animieren zum Klatschen und Mitschnipsen. Sein Kabarettteil wirkt wesentlich weniger souverän. Die Publikumsinteraktion ist dann verkrampft und seine Wortwitze zu gewollt. Als er behauptet, Peer Steinbrück würden die Männer schon allein wegen seiner Initialen wählen wollen und keiner lacht, entschuldigt sich Jahn sogar.

Doch dann hält das Programm die Rettung bereit: Ein Kabarett-Evergreen wird ausgepackt und über die Deutsche Bahn gelästert. Jahn weiß: „Das Programm kann noch so schlecht sein, bringst du eine Nummer über die Bahn, hast du das Publikum wieder.“ Und wie die Bahn selbst, kommen seine guten Pointen mit Verspätung. Für manch andere fehlt schlichtweg der Kontext, weswegen sie dann deplatziert wirken.

Warum simuliert Jahn auf der Bühne zum Beispiel einen Selbstmord und warum spricht er auf einmal von überfahrenen Türken? Natürlich ist er kein Neonazi, doch das verwirrte Publikum kann mit diesen Späßen wenig anfangen.

Man gewinnt an diesem Abend nicht den Eindruck, dass Jahn der Umweltschutz wirklich am Herzen liegt. Stattdessen scheint es eher so, als diene ihm das Thema als Saalfüller. Das hat diesmal gut funktioniert. Trotzdem liegt es nicht nahe, an Umweltschutz zu denken, wenn Jahn am Ende sagt, er lasse sich seinen Optimismus von niemandem nehmen.

Von Sarah Lodder

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