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Regional Hautnah dabei, wenn Menschen verschwimmen
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18:15 21.12.2011
Von Peter Krüger-Lenz
Fotografiert? Gedruckt? Gemalt! „Schwimmer“, von Sigrid von Lintig in diesem Jahr gefertigt. Quelle: EF
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Klar, David Hockney ist mit seinen Pool-Bildern berühmt geworden, Gerhard Richters See-Stücke gehören zur Kunstgeschichte und der Junge Wilde Salome ließ in den 70er und 80er Jahren Schwimmer ihre Bahn ziehen. Doch Lintig, geboren 1965, befasst sich in ihren Werken auf ganz andere Weise mit Wasser, auf sehr verführerische.

Sie zeigt Menschen, die teils unter Wasser, teils darüber, umher treiben, sich kugeln, eins werden mit dem eher artfremden Element. Ihre Konturen lösen sich auf, werden unscharf. Die Menschen verschwimmen.

Oft geht Lintig selbst in ihrer Heimatstadt Aachen ins städtische Bad. Dort findet sie ihre Modelle, die sie dann anspricht. Sie holt die Einwilligung ein, die Schwimmer zu fotografieren. Sie spricht Szenarien ab, schaut auch auf Zufälliges. Ein aufwändiger Prozess. In ihrem Atelier fügt sie dann Ausschnitte verschiedener Fotos zu einem Sujet zusammen, dass sie malerisch mit Acrylfarben im großen Format auf Leinwand umsetzt. Dafür hat sie eine fotorealistische Technik entwickelt, die auch Experten verblüfft. Er habe die Bilder prüfen lassen, verrät Galerist Oliver Ahlers. Er befürchtete, sie seien gedruckt, nicht gemalt.

Und tatsächlich ist das Seherlebnis erstaunlich. Die Fotorealisten der 60er und 70er Jahre wählten relativ bedeutungslose Motive für ihre Bilder. Sie kaprizierten sich auf Spiegelungen, rostiges Metall, Neonreklamen, Alltagsszenen oder den Freundeskreis. Weniger um das Motiv ging es ihnen, sondern um die möglichst naturgetreue Umsetzung von Fotografien, das Überführen von einem Medium in ein anderes, das dann, im Druck vervielfältigt, dem Ursprung, also der Fotografie wieder nahe kam. Die Illusion von Wirklichkeit verflüchtigt sich bei diesen Bildern bei der Nahsicht. Je dichter der Standpunkt zum Bild, desto deutlicher wird: Es handelt sich um Malerei. Lintig hat dies vermieden.

Kein Pinselduktus ist mehr zu erkennen, keine persönliche Handschrift. Farbe ist nicht mehr künstlerischer Werkstoff, sondern tatsächlich Farbe. Unglaublich die Wiedergabe der Bewegung des Wassers, das Zerfließen der Körper. Hautnah  dabei.
Ein Geheimnis dabei mag sein, dass Lintig nach eigener Aussage die Bilder aus zahlreichen Schichten entwickelt, Spuren von Pinseln immer wieder eliminiert. Ein weiteres Geheimnis macht sie um ihre Beweggründe, sich dieser Sujets angenommen zu haben. „Zu persönlich“, lautet ihr knapper Kommentar. Dazu passt der Verweis des Eröffnungsredners Wolfgang Becker, Gründungsdirektor des Ludwig Forums für internationale Kunst Aachen, zu einer märchenhaften Geschichte von Lewis Carroll: „Die Menschen in den Bildern verschwinden wie Alice in den Spiegeln.“

Ahlers hatte im Oktober mit Bildern unter anderem von Lintig, mit der er schon zehn Jahre zusammenarbeitet, einen Stand auf der International Contemporary Art Fair in München. Diverse Medien berichteten über die „Schwimmer“-Bilder, „wir waren dort die Stars“, sagt Ahlers. Kein Wunder. Lintigs Werke sind brillante Malerei.

Bis Sonnabend, 14. Januar, dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21 in Göttingen.

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