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Heile Welt in den Schweizer Bergen

Kindertheaterstückes „Heidi“ Heile Welt in den Schweizer Bergen

Elisabeth-Marie Leistikow gibt die Heidi. Die soll bei ihrem Großvater in den Schweizer Bergen leben. Von dort wird sie später zurück nach Frankfurt geschickt, um Spielgefährtin eines reichen Mädchens zu werden und in der Stadt hoffentlich das Lesen zu erlernen.

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Gesucht und gefunden: Heidi (E.-M. Leistikow) und Ziegenpeter (S. Werginz) sind Freunde, Großvater (Jan Reinartz) staunt.

Quelle: Eulig

Denn der Großvater weigert sich, das Mädchen auf eine Schule zu schicken. Die zwei Heidi-Romane, geschrieben 1880/81, stellen den Gegensatz von Natur und Stadt ins Zentrum. Die Inszenierung von Intendant Andreas Döring für Kinder hatte am Sonntag Premiere im Jungen Theater (JT) Göttingen .

Leistikow wirft sich in ihre Rolle und gewinnt der Titel-Figur überraschende Tiefe ab. Ihre Heidi spricht nicht nur Kinder an. Die aber natürlich besonders, es wird getrampelt und gekichert in den Reihen. Die fünfjährige Esther Schwigon sagt hinterher, Heidi habe ihr „am besten gefallen“ – das sei „so gut vorgespielt“ gewesen. Ein bisschen „gruselig“ sei es zwischendurch gewesen, aber nicht gefallen, sagt sie nach langem Überlegen, habe ihr „gar nichts“.

Gruseliges blitzt in der Bergwelt in der Tat auf: giftig-grünes Licht, düstere Musik, die blinde alte Frau (Agnes Giese), die im Kerzenschein vom wackligen Haus erzählt, in dem sie wohnt – die Inszenierung mag empfohlen sein für Kinder ab fünf Jahren. Ob aber jedes fünfjährige Kind mit solchen Eindrücken zurecht kommt, mag bezweifelt werden.

Heidi lässt das Haus der Alten reparieren, so dass es ein im Sturm sicheres Gebäude wird wie das, in dem sie mit dem Großvater wohnt. Dörings Inszenierung singt ein Loblied auf den Schutz bietenden Rückzugsort von Familie und Freundeskreis. Tragendes Element des Heile-Welt-Bühnenbildes sind denn auch abschirmende Holzwände. „Ziegenpeter“ (kindgerecht und witzig von Sascha Werginz verkörpert) wird in der Bergwelt Heidis bester Freund. Das alles passt zum Spielzeitmotto „Zusammen“.

Gegenwelt ist die Großstadt Frankfurt. Hier lebt die 12-jährige Clara, sensibel und einfühlsam gespielt von Henrike Richters. Clara sitzt zwischen klinisch-sterilen weißen Stoffen in einem Rollstuhl und lernt erst durch Heidi in den Bergen das Laufen. Man mag die Romane für verkitscht, altbacken oder spießig halten – dafür kann Regisseur Döring nichts, er hat sie nicht geschrieben. Er tut aber auch nicht besonders viel dafür, sie in einen neuen Kontext zu überführen.

Auch in seiner Fassung wird die intakte ferne Bergwelt gegen die vom Menschen entfremdenden städtische Welten gesetzt, für die Claras Erzieherin mit dem sprechenden Namen Fräulein Rottenmeier (ebenfalls von Werginz gespielt) exemplarisch steht. Immerhin wird auf Alpen-Panorama und Jodel-Einlage verzichtet. Und die engagierte Leistikow ist ein Glücksfall für das Stück.

Nächste Aufführungen am 31. Oktober, 4., 18., und 25. November im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.
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