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Hera Lind verfasst Geschichte der Göttingerin Gerda Bruns

„Gefangen in Afrika“ Hera Lind verfasst Geschichte der Göttingerin Gerda Bruns

Weit reicht der Blick aus dem Wintergarten von Gerda, genannt Gerti Bruns in die Landschaft im Süden von Göttingen. In der Wohnung am Südrand der Stadt lebt die 1939 geborene Frau heute, sie hat ein bewegtes Leben hinter sich. Aufgezeichnet hat ihre Geschichte die Bestseller-Autorin Hera Lind.

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„Das können Sie ruhig nehmen“: Hera Lind (2. von rechts) gibt das Foto frei, das sie mit Gerda Bruns, deren Mann Jürgen (links) und ihrem Lebensgefährten Engelbert Lainer-Wartenberg in Gebhards Hotel in Göttingen zeigt.

Quelle: EF

Göttingen. Unter dem Titel „Gefangen in Afrika“ ist  das Buch bereits kurz nach Erscheinen in der dritten Auflage im Handel und mit dem Aufkleber „Spiegel“-Bestseller versehen.

Bereits früh gerät Bruns’ Leben in Schieflage. „Meine Jugend in Glatten im Schwarzwald war schlimm“, sagt sie, „jeden Tag Schläge, Lernen war Nebensache“. Sie flieht, landet bei Menschen, die sie ausnutzen. Ihr Vater holt sie dort heraus, eine Cousine päppelt sie auf. In einer anderen Familie arbeitet sie dann nicht nur im Haushalt, sondern auch in deren Geschäft. Sie lernt ein jungen Mann kennen, im Buch heißt er Leo.

Sie heiratet ihn mit Anfang 20. Leo leitet eine Sparkassenfiliale und verdient gut. Doch dann will er sein Glück in Südafrika versuchen. Viereinhalb Jahre habe sie sich geweigert, hinterher zu ziehen, erklärt Bruns. Dann habe sie sich von Kollegen ihres Mannes überreden lassen – er hatte sie dafür bezahlt. Sie folgt mit den beiden Söhnen, und das neue Leben in Afrika sieht verlockend aus. „Wir hatten einen Pool, einen Boy, ein Dienstmädchen“, erinnert sie sich. Doch alles Geld in Deutschland hatte er inzwischen nach Afrika transferiert, sogar das Haus verkauft. „Da friert es mich immer noch“, sagt Bruns mit Schaudern.

Doch Leo ist nie zu Hause. Irgendwann stellt Bruns fest, das er eine zweite Familie hat. Sie bereitet im Geheimen die Flucht vor, die schließlich auch gelingt. Eineinhalb schlimme Jahre in Windhoek hat sie hinter sich gelassen. Bruns erzählt dies alles beim Treffen in ihrer Wohnung, immer wieder stehen ihr Tränen in den Augen.

Doch auch nach den Afrika-Monaten ist Gertis Leben nicht auf dem Gleis. Sie arbeitet so viel, dass sie irgendwann umfällt. Ein Arzt verschreibt ihr eine Kur in Aulendorf. Dort lernt sie ihren heutigen Ehemann Jürgen kennen, der behutsam und ausdauernd um sie wirbt.
1987 schließlich kommt Bruns nach Göttingen. Albträume quälen sie noch immer, ein Arzt rät: „Sie müssen sich das von der Seele schreiben.“ Gerda schreibt, Ehemann Jürgen tippt das Manuskript ab – und schickt es an einem Sonnabendabend vor eineinhalb Jahren zu Hera Lind. Am Sonntagmorgen klingelte bei Gerti dann das Telefon: „Ihr Mann hat mir gestern etwas zugefaxt.“

„Ich bekomme sehr viele Lebensgeschichten, die gedruckt werden wollen“, erklärt Lind, „doch wenn Selbstmitleid mitschwingt, möchte ich die Geschichte nicht aufschreiben“. Gerti Bruns’ Bericht über ihr Leben aber „hat mich total berührt und begeistert“. Man verabredet sich schließlich in Göttingen, trifft sich in der Wohnung des Ehepaars Bruns, denn: „Die Chemie muss stimmen.“ Und sie stimmt. Lind schreibt und billigt Gertis Geschichte zu, was sie sich von diesen Büchern erhofft: „Vorbildcharakter für meine Leserinnen und Leser“. Und Linds Ehemann Engelbert Lainer-Wartenberg sei sich laut Gerdas Erinnerung sicher gewesen: „Das wird das beste Buch, das meine Frau je geschrieben hat.“

Hera Lind: „Gefangen in Afrika“, Diana-Verlag, 384 Seiten, 8,99 Euro.

Als das Leben noch schön war: Gertis Söhne am Pool der Villa in Windhoek.

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