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„Hexenschuss“ feiert Premiere in Göttingen

Theater im OP „Hexenschuss“ feiert Premiere in Göttingen

Was folgt, wenn der Geliebte, der Ehemann, eine mürrische Ärztin, ein blinder Klavierstimmer, eine betrunkene Stewardess und eine gestresste PR-Managerin bei dir Zuhause auftauchen? Chaos! Ein rasantes Versteckspiel präsentierte das Theater im OP in Göttingen bei der Premiere von „Hexenschuss“ am Freitag.

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„Hexenschuss": Premiere im Theater im OP in Göttingen

Quelle: Dirk Opitz

Göttingen. Die Bühne bleibt dunkel. Ein Beamer projiziert eine Fernsehsendung in 1950er Jahre Manier über die Bühne. Mit übertriebenem Getue und dicken Schnauzbart heißt BBC-Moderator Peter Raven (David Höhle) sein Publikum willkommen. Seine Nachmittagsshow ist ein visueller Kummerkasten. Licht an. Raven geht nur mit Unterhose und offenen Hemd die Stufen ins Wohnzimmer von Sally Hills (Inka Gerhardt) hinab. Diese sitzt mit Puschel-Latschen und pinken Morgenmantel auf ihrem Sofa. Das geplante Schäferstündchen der beiden endet unerfüllt und mit einem Hexenschuss von Peter, der auch noch dringend zu einem Termin bei der BBC muss.

Klaus-Ingo Pißowotzki inszeniert John Grahams Stück mit viel Liebe zum Detail: Das Londoner Apartment des Ehepaars Hill ist auch auf der Bühne eine Wohnung. Es gibt ein Badezimmer mit angedeuteter Sauna, einen Flur und ein Wohnzimmer mit Sofa, Minibar und einem Klavier. Das Bühnenbild (Ulf Janitschke) überzeugt durch knallige Farben, die Badewanne ist beispielsweise grün-türkis, und die Türen und Schränke, die wirklich welche sind.

Als der blinde Klavierstimmer Mr. Phips (Florian Hallaschka) vorbeikommt, versteckt sich Raven aus Angst erkannt zu werden im Badezimmer. Um seinem Rückenleiden entgegenzuwirken entscheidet er sich ein heißes Bad zu nehmen. Ein Fehler: Seine Schmerzen machen ihn bewegungsunfähig und er kommt nicht mehr raus. Das Chaos beginnt. Während Mr. Phibs das ein oder andere Liedchen, passend zur Situationskomik, spielt, taucht schon der Nächste auf: Ehemann Leonard Hill (Matti Johannes Fellmann). Mit überzeugender Panik versuchen Raven und vor allem Sally ihn davon abzubringen ins Bad zugehen. Als dann auch noch die benachrichtigte Notärztin (Katharina Gellrich), die betrunkene Stewardess Annabelle (Ursula König) und Ravens PR-Managerin (Monika Giro) auftauchen droht das aufgebaute Lügenkonstrukt zu zerbrechen.

Türen knallen, werden verschlossen und zugeschoben. Das Spiel wird immer hektischer. Im Flur klingelt das altmodische Telefon und im Bad schreit Raven vor Schmerz. Eine Mischung aus Witz und Tragik machen aus den Missverständnissen herrlich humorvolle Dialoge. Besonders die Rolle des Klavierstimmers überzeugt durch zusammenhangslose Beiträge wie „Hüttenkäse schmeckt nach rein gar nichts, wie Zahnarztfinger“. Auch die ständige panische Frage, ob der jeweilige Gast denn Fern sehe, versetzt vor allem die schottische Ärztin in Rage.

Mit sichtlichem Spaß bewegen sich die Spielenden mal schleichend, mal rennend durch die Räume. Großartig umgesetzt ist auch das Versteckspiel von Leonard und der Stewardess, bei dem sie nicht nur Reizwäsche, sondern auch Handschellen verliert. Ein ungewollte Kuscheleinlage auf dem Sofa und ein kaputter Stuhl unterstützen die „kleine Katastrophe“ Oder war es doch eher ein „unbedeutendes Missgeschick“? Das verwirrende Schauspiel wurde mit großem Applaus belohnt.

Weitere Vorstellungen sind am 5., 6., 8., 11., 12, 13., 15., und 16. Dezember jeweils um 20.15 Uhr und am 9. Dezember um 14 Uhr. Tickets können per E-Mail, theaterkarten@gmail.com oder unter Telefon 0551/397077 reserviert werden. Das Kulturticket gilt für alle Aufführungen.

Von meg

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