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Hier wird die Kunst durchs Dorf getrieben

Kulturfestival Stallarte Hier wird die Kunst durchs Dorf getrieben

Auf einem kleinen Schotterhügel gegenüber der Kirche recken sich drei Plastiken wie riesige weißbraune Maden aus der hellen Erde. Die „Luaden“ von Johannes Wildermuth haben etwas Morbides, gleichzeitig scheinen sie zu leben und mit ihren Saugrüsseln, die ein wenig wie verwelkte Narzissenblüten aussehen, auf Nahrungssuche zu sein.

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Produzentin und Model: Lisa Seebach und ihre Video-Installation „Wir bleiben in der Nähe“.

Quelle: Heller

Wildermuth hat Schellack, Mull, Wachs und Silikon verarbeitet – vergängliche Materialien. Der Student der Kunsthochschule Kassel ist einer von 15 jungen Künstlern, die in diesem Jahr beim dritten Roringer Stallarte-Festival ausgestellt haben.

Die Kunst durchs Dorf treiben wollen die Macher von Stallarte. Das ist ihnen auf dem Kunstparcours entlang der Langen Straße zweifellos gelungen. Neben fünf Ausstellungsräumen in der Kirche, dem Pfarrhaus, dem Dorfgemeinschaftshaus, dem Café im Laden und dem Hof Bornemann gibt es zahlreiche Stationen unter freiem Himmel – wie die Arbeit von Wildermuth. Eine Straßenecke weiter, am Hof Bornemann, hängt das nächste Objekt. Eine sieben Meter hohe Atelierarbeit von Nina Larsen. 3000 Meter Faden, Draht und Holz hat sie miteinander verknüpft. So ist ein filigranes weißes Netz entstanden, das von einem Haken baumelt.

Im Bornemannschen Hof selbst geht die Ausstellung weiter. Wieder trifft der Besucher auf Arbeiten von Johannes Wildermut. Kokons, die innerlich zu verwesen scheinen. Ein Hund sitzt mitten im Raum, auf seinem Rücken klafft ein Loch, sein Maul hat wieder diesen alles verschlingenden und zugleich klagenden Saugrüssel wie schon die „Luaden“ auf dem Schotterberg – faszinierend und abstoßend zugleich. Nebenan läuft eine Videoinstallation von Daniel Kalweit. Vier Monitore auf weißen Kirchenbänken zeigen den Künstler von hinten, kahl und nackt bis zu den Schultern, dann dreht er den Kopf weit nach links – ein fast brutales Bild als Anspielung auf die Skandale der katholischen Kirche. Kalweit war auch im vergangenen Jahr mit einer Video-Installation bei Stallarte vertreten. Lisa Seebach hat mit ihrer Video-Installation keine sakrale Atmosphäre hergestellt, sondern sie genutzt. Die Studentin aus Braunschweig hat sechs Monitore in der St. Martinskirche aufgestellt. „Wir bleiben in der Nähe“ heißt ihre Arbeit, bei der sie manisch Gegenstände befühlt, gleichzeitig sieht man ihr Gesicht auf einem anderen Bildschirm.

Die Kunst des Festivals beschränkt sich nicht nur auf die visuellen Aspekte. Heiko Wommelsdorf, Student an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, setzt sich in seinem Beitrag mit dem Zusammenwirken von Raum und Klang auseinander. Er hat Spieluhren aus Kuscheltieren so bearbeitet, dass sie auch im Zusammenspiel harmonisch klingen. Gleichzeitig ergeben die Uhren an der Wand ein kunstvolles Bild.

Mit Fotografie beschäftigen sich die Arbeiten von Ruth Weigand und Christel Irmscher. Weigand will mit ihren Landschaftsaufnahmen zeigen, dass es keinen freien Blick gibt. Irmscher hat sich ans Roringer Dorfidyll gewagt und es verfremdet. Ganz im Sinne von Stallarte, das für ein Wochenende einen ganzen Ort zur Adresse für junge Kunst und zur Begegnungsstätte für junge Künstler werden ließ.

Von Eida Koheil

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