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Hildegard Knef trifft Harald Juhnke im Deutschen Theater Göttingen

Mitreißend Hildegard Knef trifft Harald Juhnke im Deutschen Theater Göttingen

Man kann es gar nicht oft genug festhalten: Göttingen ist eine Jazzstadt. Nicht nur ein Jazzfestival sorgt mit internationalen Größen für ein großes Forum für improvisierte Musik, auch die Universität trägt mit ihrer Bigband „XYJazz“ dazu bei, dass insbesondere die frühen Entwicklungslinien des Swing wieder in aller Ohren sind.

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Starkes Gesangspaar: Hanna Carlson mit Liedern der Knef und Frank Martin Crooner, der den Juhnke gibt.

Quelle: Heller

Göttingen. Gemeinsam mit den Sängern Hanna Carlson und – kann dieser Name Zufall sein? – Frank Martin Crooner gab sie unter der Leitung von Detlef Landeck einen mitreißenden Themenabend im Deutschen Theater.

Das Knef-Lied „Von nun an ging’s bergab“ lieferte den Titel des Programms, das sich um eine Begegnung dreht, die niemals stattgefunden hat: Hildegard Knef und Harald Juhnke standen nie gemeinsam auf der Bühne – denkt man genauer darüber nach, ist das für jeden, der sich auch nur entfernt an Chanson und Swing erfreuen kann, eigentlich verdammt ungerecht. Diese beiden Charakterstimmen hätten eine großartige Show abgeliefert.

Ungezwungen-elegante Bühnenpräsenz

Carlson, Crooner und ihre Mitstreiter haben nun Abhilfe geleistet, ihre Gesamtdarbietung war eine Hommage mit eigenem Kopf, ungezwungen, witzig und musikalisch auf hohem Niveau. Da störten auch die kleinen Textunsicherheiten der bezaubernden Carlson nicht, die ihre Stimme tatsächlich mit etwas Knef-Rauch umgeben konnte. Auch Crooners Name, der doch verdächtig an die Bezeichnung für den Gesangsstil der 1920er-Jahre erinnert, war Programm. Nicht nur stimmlich, sondern auch kraft seiner ungezwungen-eleganten Bühnenpräsenz überzeugte er als schnieker Lebemann. 

Bläsersätze auf den Punkt

„XYJazz“ ist eine Bigband mit Zähnen. Die Bläsersätze kamen genau auf den Punkt, die Soli konnten sich hören lassen und die Rhythmusgruppe um Gregor Kilian hielt die satt arrangierten Melodien swingend im Zaum – was rhythmisch zu schaffen, aber dynamisch unmöglich war. Der kleine Wermutstropfen war nämlich die Lautstärke der 22-köpfigen Formation, die den Gesang von Carlson und Crooner ein wenig überdeckte.

Vielleicht hätte es angesichts der wirklich großartigen Leistung aller Musiker keiner empörten Zwischenrufe aus dem Publikum bedurft, denn das DT wird dadurch ja weder größer, noch wurden Blechblasinstrumente für ihre zarte Tongebung erfunden. Landeck versuchte dennoch das Unmögliche, und dirigierte fortan mit beschwichtigender Gestik. Klar ist aber: Dieses Konzerterlebnis gehört in eine größere Halle.

Puzzle­stück für gelungenen Abend

Einem letzten, wichtigen Puzzle­stück für diesen gelungenen Abend dürften derlei Probleme fremd sein: Das Geigenhof-Quartett um Wojtek Bolimowski nähert sich dem Jazz normalerweise von einem sinfonischen Standpunkt, dessen mutige Arrangements von Standards eine höchst eigenständige Ästhetik entwickeln. Insbesondere bei ruhigeren Liedern wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ zahlte sich diese klangliche Erweiterung aus. So gut gemachte Musik darf dann auch ein bisschen zu laut sein.

Von Jonas Rhode

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