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Hinreißende Musik in Göttingens guter Stube

Minetti-Quartett aus Wien Hinreißende Musik in Göttingens guter Stube

Göttingens gute Stube, die denkmalgeschützte Aula der Universität, war am Sonntag im Aulakonzert voll besetzt mit durchweg wohlerzogenen Menschen. Doch scheuten sie sich nicht, am Ende lautstark auf dem blanken Parkett herumzutrampeln. Denn die Begeisterung über den Auftritt des aus Wien stammenden Minetti-Quartetts musste sich einfach Bahn brechen.

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Wirkten Klangzauber: Maria Ehmer, Anna Knopp, Milan Milojicic und Reinhard Roczek (v.l.).

Quelle: Vetter

Vor neun Jahren – da waren die Geigerinnen Maria Ehmer und Anna Knopp 21 Jahre alt, der Cellist Leonhard Roczek 20 und Bratscher Milan Milojicic (der erst später dazu stieß) 24 – gründete sich das Ensemble an der Wiener Musikuniversität. Inzwischen hat es eine steile Karriere gemacht und den Weg in die Konzertsäle der Welt zwischen Europa, Amerika und Asien gefunden: Kein Wunder angesichts der technischen und musikalischen Souveränität, die die vier Musiker in Göttingen präsentierten.

Auf den ersten Blick sieht das Programm ihres Konzerts mit Mozart („Jagdquartett“ KV 484), Debussy und Dvořák („Amerikanisches“ Quartett) recht konservativ aus. Doch es passt hervorragend zum Saisonthema „Ausbrüche – Aufbrüche“, denn alle drei Werke stehen quer zur Konvention der Zeit, in der sie entstanden sind.

Ja, selbst bei Mozart ist dies der Fall, der in seinem „Jagdquartett“ ungleich mehr an thematischer Arbeit leistet, als es in den meist unverbindlich-galanten oder gar konzertanten Stücken seiner Zeitgenossen der Fall ist. Ganz zauberhaft durchsichtig spielte das Minetti-Quartett diese Musik, sehr forsch, dennoch immer hochpräzise in den raschen Tempi der Ecksätze, mit edler Sanglichkeit im Adagio, hauchzart in den Pianissimo-Passagen, zupackend und temperamentvoll in den Steigerungen, dazu mit stets lupenreiner Intonation.

Diese Qualitäten sind die besten Voraussetzungen für den Klangzauber, den Claude Debussy in seinem g-Moll-Quartett entfaltet. Betörend schön waren die Farben, die die vier Musiker aufscheinen und leuchten ließen, die Palette reichte von fast orchestralem Tutti-Klang bis hin zu den rhythmisch spannend strukturierten Pizzicato-Tupfern des zweiten Satzes und dem leidenschaftlichen Drive, der das gesamte Werk durchzog. Dabei war es fesselnd zu beobachten, wie genau die Musiker ihr Spiel aufeinander abstimmten, wie die Impulse von der jeweils führenden Stimme – gern auch von dem Bratscher, dem man dies körpersprachlich besonders deutlich ansehen konnte – an die Partnerstimmen weitergegeben wurden.

Dvořáks opulentes F-Dur-Quartett op. 96 bildete das musikantisch bewegte Finale dieses hinreißenden Abends, den man sicherlich zu den Höhepunkten nicht nur dieser Konzertsaison zählen muss. Auf Wunsch der Göttinger Kammermusikgesellschaft gab es als zarte, stille Zugabe zum Gedenken an den jüngst verstorbenen Kammermusik-Freund Prof. Lothar Perlitt die Cavatina aus Beethovens Streichquartett op. 130.

Von Michael Schäfer

Das nächste Aulakonzert findet am Sonntag, 10. Februar, um 19.45 Uhr statt. Es spielt das israelisch-deutsche Klavierduo „Tal und Groethuysen“. Karten gibt es unter Telefon 05 51 / 4 99 80 10.
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