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00:17 20.01.2017
Ulrich Hollmann blickt auf ein künstlerisch reiches Leben zurück.       Quelle: Bänsch
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Göttingen

Ein Mann in einer gelben Jacke trägt Beutel mit Einkäufen in der Hand. An seiner Seite, einen Schritt vor ihm, geht eine Frau mit roter Jacke. Ob die beiden wohl zusammengehören? Sonnenflecken fallen stimmungsvoll auf die Szenerie. Ein zufälliger Moment. Passanten, die vorübergehen. Auf anderen Bildern Menschen, Gesichter ohne Mimik und ohne Konturen. Die Zeit bleibt unbestimmt. Erinnerungen und Begegnungen, die verschwimmen.

Porträts in unterschiedlichen Ausdrucksformen, Orte, Momente der Ruhe an der Rhumequelle. Eine blitzblank geleerte Schüssel, die an Hungerjahre der Jugendzeit erinnert. Auf die Kindheit des Malers während der Kriegsjahre verweist auch das Bild, das ihn mit einem Schulranzen zeigt. Ein freundlich lächelnder Junge in einer sehr schweren Zeit. Ein augenzwinkerndes Selbstporträt hingegen ist das Polizeifoto einer Geschwindigkeitsüberschreitung. Auch der bekannte Malerkollege Horst Antes, mit dem Hollmann zusammen an der Kunstakademie in Karlsruhe studierte, ist porträtiert.

Markante Momente seiner Biografie und zufällige bildnerische Entdeckungen hat der Künstler in seinen Bildern festgehalten. Visuelle Erfahrungen und Erlebnisse sind zumeist die Auslöser seiner Bilder­findungen. Dabei verzichtet Hollmann auf eine eindeutige Malweise und ein festes stilistisches Rezept. Malerische Herausforderungen reizen den Duderstädter, der 35 Jahre lang als Kunstlehrer tätig war und der im Laufe der Ausstellung 80 Jahre alt wird.

Betrachter erlebten „einen Künstler, der sich immer wieder neu überraschen lässt von dem, was er sieht“, begrüßte Georg Hoppenstedt vom Vorstand des Künstlerhauses die Vernissagebesucher. Auch wenn die gezeigten Bilder in den vergangenen vier Jahren entstanden sind, sei die Ausstellung dennoch eine Art Retrospektive. „Mit seinen Bildern will uns Ulrich Hollmann einen sehr persönlichen Rückblick auf sein Leben zeigen.“

Als einen „Sammler von Augenblicken und visuellen Spannungsverhältnissen“, beschreibt die Kulturjournalistin Tina Fibiger den Künstler. Auf der Leinwand wirkten diese alltäglichen Dinge, Orte und Gesichter auf den Betrachter vielleicht nur alltäglich, auch wenn er sie „als künstlerische Abbilder einer ewig raschelnden Realität wahrnimmt“. Dass sie oft nur den Schutz der vermeintlich naturalistischen Oberfläche suchten und dahinter noch ganz andere Geschichten umtriebig sind, sei es wesentliches Element in Hollmanns Kompositionen. „Auf dass der Betrachter nachfragt, was es damit auf sich hat mit diesen Geschichten hinter den Ansichten von Augenblicken, die sich der direkten Erzählung verweigern.“

Die Ausstellung ist bis 12. Februar im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Ein Künstlergespräch mit Ulrich Hollmann gibt es am Sonntag, 5. Februar, um 15 Uhr.

Von Karola Hoffmann

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