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Regional Holz und Vorurteil
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00:18 07.02.2018
Kabarettist Tilman Birr im Apex mit seinem Programm „Holz und Vorurteil - Zwischen Kopf und Brett“. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Wortlos eröffnete Birr mit einem Sampler den Abend. Aufnahmen von Reden, wie die Begrüßung des Publikums, nutze er, um mit ironischen Hintergedanken Vorurteile und Flachwitze zu untermalen. Volksmusik beispielsweise repräsentiere das Geräusch, das in einer bestimmten Umgebung am häufigsten gehört wird. Iren spielen den Wind des Atlantiks auf Blechflöten nach und in Südeuropa sie der Lärm der Zikaden bestimmend.

„Aber welches Geräusch imitiert Bayerische Blasmusik? Was findet man in Bayern am häufigsten? Genau, Männer im Wirtshaus“, meinte Birr todernst und mischte die Stimmen der Wirtshausbesucher mit bayerischer Blasmusik. Aber auch die Unwissenheit einzelner Menschen thematisierte Birr in seinen Gags: „Manche glauben ja, dass Autos mit Fischaufklebern am Heck von Leuten gefahren werden, die bei der Fastfoodkette Nordsee arbeiten“, empörte er sich besserwissend.

Birr wechselte zwischen sitzenden Positionen am kleinen Tisch, der links auf der schwarz behangenen Bühne stand, und mittig im Scheinwerferlicht stehend, wo er wild gestikulierend Dialoge zwischen einem Polizisten und einem Mann, der seine Geldbörse verloren hat, darstellte. Mit starrem Blick taxierte er den Raum und nahm sich selbst als Kleinkünstler aufs Korn. Mit den Worten „He will play the shit out of you“, leitete er sein gewollt überzogenes Kurzprogramm als Heim-Keyboarder „mit Niveau“ vor der Pause ein. „Nachdem ich in der ersten Hälfte nur über Vorurteile geredet habe, rede ich jetzt über Holz“, schmunzelte Birr und fing unter Applaus an, den „Holzfällersong“ auf Gitarre und Mundharmonika zu spielen.

Tilman Birr - Holz und Vorurteil - zwischen Brett und Kopf:

Mehrere Dialekte sowie Passagen auf Spanisch, Englisch und Französisch waren Teile seines Programms. Während „Im Kopf eines Verliebten“ sprach Birr hessisch, bayerisch, sächsisch und berlinerte. Dabei machte er sich über jeden Dialekt lustig.

Begonnen hat Birr auf Lesebühnen und Poetry Slams. 2012 erschien im Goldmann-Verlag sein erstes Buch „On se left you see se Siegessäule“. Mittlerweile hat der 37-Jährige drei Bücher und zwei Musikalben veröffentlicht. 2013 erhielt er den Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises.

Mithilfe der Geschichte „Ich höre fickende Menschen“ aus seinem 2014 erschienenen Buch „Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern auf Besuch hinfahren: Eine kleine Heimatkunde“ befasste er sich, sehr zur Belustigungdes Publikums, mit dem Sexleben seiner Mitbewohner, aus zwölf Jahren WG-Erfahrung.

Gekonnt und mit Charme erspielte er sich zahlreiche Lacher und verdienten Applaus. Als Zugabe sang Birr das Lied „Isch werd’s überlebe (I will survive)“ aus seiner Liederreihe „Welthits auf hessisch“, die der gebürtige Frankfurter mit Musiker Elis ins Leben gerufen hat. Dem Publikum kündigte er an, mit seinem neuem Programm wieder nach Göttingen zu kommen.

Von Madita Eggers

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