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Horst Lichter zu Gast in der Göttinger Lokhalle

„Jetzt kocht er auch noch“ Horst Lichter zu Gast in der Göttinger Lokhalle

Ein Jäger jagt, ein Lehrer lehrt, ein Tänzer tanzt und ein Koch? Der kocht. Insofern scheint Horst Lichters aktuelle Bühnenshow „Jetzt kocht er auch noch“ nicht besonders innovativ. Neu ist das Format trotzdem, denn in seinen vorherigen Programmen „Sushi ist auch keine Lösung“ und „Kann denn Butter Sünde sein“ gab es nichts zu essen.

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„Butter ist vorbei?“ Das glaubt niemand dem immer gehaltvoll zubereitenden Fernsehkoch Horst Lichter.

Quelle: Heller

Göttingen. Das hat sich nun geändert. Neben köstlicher Unterhaltung stehen Speis und Trank bereit. In den ersten Minuten scheint es, als habe sich noch etwas anderes geändert: Der Fernsehkoch, der berühmt für seine cholesterinreichen Leckerbissen ist, behauptet: „Butter ist vorbei“. Die Sterneküche habe ihn insofern beeinflusst, als dass es von nun an nur noch Magerquark gebe, von einer Kuh, die „auf dem Laufband groß geworden ist“.

Ein Raunen geht am Sonntagabend durch die Menge in der gut gefüllten Lokhalle. Kann man dem fröhlichen Rheinländer das glauben? Er steht hinter seinen Kochplatten und wiederholt den Mund weit aufreißend das Wort „Quark“. Wohlwollend klingt das nicht und deshalb muss in die Schüssel auch noch eine große Menge Sahne dazu.

Der Quark hatte nämlich „eine Konsistenz mit der man Stuckdecken reparieren könnte“. Es ist also doch wieder alles beim Alten.

Der Gourmet bezieht sein Publikum mit ein und sucht sich immer wieder Gäste, die seine Gerichte probieren dürfen. Auf der Bühne sind im Gasthaus-Stil Tische gedeckt, „ein lecker Bierchen“ oder Wein werden den Verköstigenden außerdem gereicht. Gut also, wenn man mit leerem Magen gekommen ist, denn bei Lichters Portionen wird man mehr als satt.

Nach der Quark-Vorspeise gibt es „lombardisches Haselnuss­pesto“. Übersetzt ist das Nutella. Das Publikum freut sich und der einzige, den man fast ein bisschen bedauern muss, ist der Junge aus der ersten Reihe, der eine „ordentliche Scheibe Brot“ damit gereicht bekommt. Es ist ein halber, ausgehöhlter Laib, randvoll gefüllt mit der Schokomasse.

Seine ganz eigene Logik

Lichter spielt den ganzen Abend mit dem Gegensatz zwischen den schicken Portiönchen in Edelrestaurants und seiner gutbürgerlichen Küche. Er richtet jeden Gang zweimal an. Einmal eine winzige Portion auf einem riesigen Teller, dann eine riesige Portion auf einem winzigen Teller.

Sein Motto lautet: „Alles unter 500 Gramm Fleisch ist und bleibt Carpaccio“. Überdies sagt er, beim „schönen Stückchen Grillfleisch“ reiche es, wenn man vorher Hufe und Hörner abschneide. Immer wenn er erzählt, „noch eine Messerspitze Butter dazu“, schmiert er eine so große Menge auf, dass das Butterfass leer ist.

Dabei entwickelt er seine ganz eigene Logik: Das Kalb denke zum Beispiel, es sei wieder im Stall, wenn es mit Butter von Mama Kuh bestrichen wird.  Beim Köcheln einer Sahnesauce behauptet er außerdem, die „Bläschen die aufsteigen, sind Kalorien, die sterben“. Schön wäre es.

Auch wenn die Zubereitung nicht unbedingt gesund aussieht, lecker scheint es allemal zu sein. Spätestens als der „Lafer! Lichter! Lecker!“-Star den Kalbsbraten-Geruch ins Publikum ventiliert, wird der Speichelfluss aktiviert. Ein schmackhafter und unterhaltsamer Abend war es, bei dem auch der ein oder andere Kochtipp mitgenommen werden konnte.

„Und sollte es ihnen nicht gefallen haben“, verabschiedet sich Lichter, seinen Schnurrbart verschmitzt zwirbelnd, „mein Name ist Tim Mälzer“.

Von Sarah Lodder

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