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Hüpfen und stampfen, zupfen und klopfen

Klassik im Club Hüpfen und stampfen, zupfen und klopfen

Klassische Musik – die Vorurteile darüber sind bekannt: eine konzentriert-strenge Atmosphäre und beruhigende Klänge. Dass das nicht der Fall sein muss, haben am Dienstagabend, 28. September, die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Pianist Fazil Say bewiesen.

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Temperamentvoll: die Geigerin Patricia Kopatchinskaja an ungewöhnlichem Ort – in einer Diskothek.

Quelle: Vetter

Im Rahmen der 24. Niedersächsischen Musiktage gastierten sie im Göttinger Szene-Club Savoy mit dem Programm „Fiesta und Basar: Club der Saiten“ und räumten mit den Vorurteilen gekonnt auf.

Das Motto der Musiktage, die von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung veranstaltet werden, lautet in diesem Jahr „Das Fest“. „Wir wollten natürlich gerne, dass die Künstler dort auftreten, wo Feste heutzutage gefeiert werden“, begründet Intendant Markus Fein die Wahl des eher ungewöhnlichen Auftrittsortes. Außerdem sei es Tradition dieser Reihe, große Musik nicht nur in klassischen Konzertsälen, sondern auch an ungewöhnlichen Orten zu organisieren, Erwartungshaltungen zu durchbrechen und Klischees hinter sich zu lassen.

Genau das taten die jungen Musiker an diesem Abend mit einem internationalem Programm. Angefangen bei rumänischen Volkstänzen von Bela Bartok, über Tzigane von Maurice Ravel bis hin zu eigenen Kompositionen von dem in der Türkei geborenen Fazil Say.

Seine Violin-Sonata „Grotesque“ hielt, was ihr Titel verspricht, und die moldawisch-stämmige Kopatchinskaja ließ das Stück zu einem Ohren- und Augenschmaus werden. Leidenschaftlich wiegte sie sich mit ihrer Geige bei langsamen Passagen, hüpfte und stampfte bisweilen laut auf. Die Saiten ihrer Violine zupfte sie wie ein trotziges Kind, oder klopfte wild auf den Klangkörper.

Auch Say saß am Klavier keine Sekunde still, machte ausschweifende Handbewegungen, oder tappte und quietschte mit seinem Schuh im Takt. Und wer summt da eigentlich so laut die Melodie mit? Ebenfalls Say. Das Duo produzierte so nicht nur wundervoll innovative Musik, sondern es war auch aufregend, die Musiker zu beobachten.

Für den Lautenisten und Gitarristen Edin Karamazov, der kurzfristig absagen musste, sprang nach der Pause das Gitarren-Duo „Los Romeros“ ein. Die beiden Brüder, die das Gitarrespielen von ihrem Großvater gelernt haben, waren gerade erst aus San Diego eingeflogen, aber von Jetlag nichts zu entdecken. Sie begeisterten das Publikum mit den spanischen Klängen und verzauberten es mit viel Charme.

Anschließend wurde noch einmal richtig aufgedreht: Mit einer Jazzbearbeitung von Mozarts „Alla turca“-Sonate und Gershwins „Summertime“ bewies Say erneut sein Können. Nach den schrägen Tönen sagte er schmunzelnd: „Ich mache so gerne Quatsch – vor allem zusammen mit Patricia.“ So konnte das Publikum zu guter Letzt auch noch eine jazzige Version von „Für Elise“ hören, bevor sich die Künstler unter tosendem Applaus verabschiedeten.

Von Sarah Lodder

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