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Humorist Piet Klocke in der ausverkauften Weender Festhalle

Von Tauben und Hummeln Humorist Piet Klocke in der ausverkauften Weender Festhalle

Rotes, dünnes und nach oben zauselndes Haar, grüner Anzug, das Hemd lilafarben. So eine schrille Farbkombination können nicht viele tragen. Piet Klocke kann. Er muss sogar. Neben der runden Schlaukopf-Brille ist das sein Markenzeichen. Der Humorist war jetzt zu Gast in der Weender Festhalle.

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Farblich wagemutig: Piet Klocke, der Meister des unvollendeten Satzes.

Quelle: Heller

Göttingen. Der für solche Auftritte neue Veranstaltungsort in Göttingen war komplett ausverkauft. Klocke stellt sich erst mal vor: „Ich gehöre einer Generation an, und ich wohne in einem Viertel. Das ist ja auch nichts Halbes und nichts Ganzes.“ Aha. „Viele Dinge sind und dann wird’s ganz, da muss man, da muss man den roten Faden mitbringen.“

Klocke ist bekannt als Meister des unvollendeten Satzes. „Man hat so viel im Haushalt. Und man weiß gar nicht.“

Vor allem zu Beginn des Abends gibt Klocke den zerstreuten Zeitgenossen, der bei Siemens als Halbleiter arbeitete und mit den Hamburger Damen vom horizontalen Gewerbe Dildos töpferte. Dabei bewegt er sich nur wenig, das Konzentrieren aufs Reden strengt offenbar an. Später dann läuft es flüssiger.

Klocke bestreitet weite Teile des zweistündigen Abends mit kurzen Bonmots, Aphorismen, Kalendersprüchen oder manchmal auch schlichten Kalauern. Ein oder zwei Sätze reichen ihm für Geistreichtum, überraschende Wendungen oder krachende Schenkelklopfer. Auf das richtige Maß kommt es halt an.

Er brummelt hier hin, dorthin

Dann muss der Humorist sich noch über Tiere aufregen. Wie eine Taube gurrt Klocke und erklärt, dass dem Vogel nur wenige Töne zur Verfügung stehen, die er „mit lebensverneinender Unlust“ von sich gebe. Nach der Pause knöpft er sich die Hummel vor.

Er brummelt hier hin, dorthin. „Ich bin sicher, dass sich keine Hummel vorher mal die Strecke anguckt.“ Und einer dieser Brummer sei ihm beim Radfahren mal ins Gesicht geklatscht. „Passt genau in eine Augenhöhle.“

Manchmal dreht Klocke im Leid über den Unsinn in der Welt die Handflächen geradezu flehend nach oben. Dann wieder wischt er imaginär etwas weg, das stört. Und vieles stört ihn eben. Und manchmal trocknet er auch eine Träne im Augenwinkel, eine kleine Lachträne.

Vielleicht hat er selbst Spaß an seinen Geschichten. Wahrscheinlich sogar. Und zum Abschluss ereilt das Publikum sein Wunsch: „Bleiben Sie stellenweise gesund.“

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