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Regional Komplizierte Liebesgeschichte „im Dorf“
Nachrichten Kultur Regional Komplizierte Liebesgeschichte „im Dorf“
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15:37 26.09.2018
Probe für „Im Dorf“: Elisabeth-Marie Leistikow und Ahmad Kiki. Quelle: Christina Hinzmann
Obernfeld

Zwei Jahre lang haben die Dramaturgin Silke Merzhäuser und Regisseurin Julia Roesler für das Projekt in einem Dorf in Thüringen recherchiert, Interviews geführt und schließlich eine Textfassung erstellt. Sie haben mit dem Bürgermeister gesprochen, mit dem Dorfpfarrer, mit Gaststättenbesuchern, den Wirtsleuten, ihren Verwandten und natürlich mit der Tochter der Wirtsleute, mit Beate. Sie hat sich in Asan verliebt, einen Geflüchteten aus Syrien, der als minderjährig registriert ist.

Der erste Ausländer im Dorf

Dann erwarten die beiden ein Kind und ziehen zurück in Beates Heimatdorf. Asan ist dort der erste Ausländer. Was passiert, wenn ein junger Geflüchteter auf solch eine Familien- und Dorfgemeinschaft stößt, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit und mit ihren Widersprüchen arrangiert hat? Welche Erinnerungen an eigene Nicht-Fluchtgeschichten löst das neue Familienmitglied aus? Welche Fragen von Identität, Gastfreundschaft und Zukunftsglauben werden plötzlich neu gestellt? Mit solchen Zusammenhängen haben sich Merzhäuser und Roesler beschäftigt. Bereits vor einem Jahr hatten die Theatermacher einen Zwischenstand im Theater im ehemaligen IWF in Göttingen vorgestellt.

An Herausforderung für alle Beteiligten in dem Dorf mangelte es nicht. Innerhalb der Dorfgemeinschaft habe es unterschiedliche Vorstellungen gegeben von Integration gegeben, berichten die Dramaturgin und die Regisseurin. Dorfstrukturen gerieten ins Wanken, die latent ostdeutsche Identität wirkte sich aus, Nachbarn äußerten sich rechtsradikal, manchmal ohne es zu merken. Die Traumatisierung des Flüchtlings und seine familiäre Tradition, gespeist aus einem anderen Kulturkreis als dem mitteleuropäischen, verkomplizierten die Lage zusätzlich.

Engagiert am Jungen Theater

Elisabeth-Marie Leistikow spielt die Wirtstochter Beate. Die Schauspielerin war von 2012 bis 2014 am Jungen Theater Göttingen engagiert. Den syrischen Flüchtling verkörpert Ahmad Kiki, der als ausgebildeter Schauspieler aus Damaskus 2015 selbst nach Deutschland geflohen ist. Ergänzt wird das Ensemble von die Sängerin Esra Dalfidan und dem Schlagzeuger Uli Genenger.

100 Seiten Text hatten Merzhäuser und Roesler nach der Transkription, auf die Bühne haben es 30 Seiten davon geschafft. Die Gespräche werden wortwörtlich wiedergegeben, „mit jedem Versprecher und auch in Halbsätzen“, berichtet Merzhäuser.

In zehn Gaststätten entlang der Grenze

„Das Lernen des Textes war eine besondere Herausforderung“, sagt Schauspielerin Elisabeth-Marie Leistikow. Sie spielt nicht nur die Beate, sondern stellt ebenso wie ihr Partner darüber hinaus verschiedene Charaktere dar. So schlüpft sie unter anderem in die Rolle des Bürgermeisters und jene von Beates Vater. „Eine weitere Herausforderung war es, sich in die Personen hineinzudenken“, sagt sie. Dazu habe sie zahlreiche Tonaufnahmen angehört, „um den Gedankenkosmos von ihnen aufzunehmen und zu verinnerlichen“.

Die Werkgruppe2 plant bislang 14 weitere Vorstellungen, alle aufgeführt in zehn solcher Gaststätten entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Niedersachsen und Thüringen. So sind Aufführungen am 28. September in Obernfeld und am 29. September in Gelliehausen angesetzt. Im Oktober spielt das Theater am 18. in Wehnde, am 19. und 20. in Lenglern, am 25. in Gladebeck, am 26. in Siemerode sowie am 27. und 28. in Rüdershausen. Für November wurden Termine am 3. in Ecklingerode, am 4. in Ferna, am 15. in Jützenbach sowie am 16. und 17. in Nesselröden festgelegt.

Karten für die Aufführungen gibt es im Vorverkauf unter Telefon 05 51 / 389 01 61 und per Mail an info@werkgruppe2.de. Für die ersten Termine sind in Obernfeld Karten in der Bäckerei Döring sowie in Gelliehausen beim ehemaligen Bürgermeister Gerhard Lange erhältlich.

Von Peter Krüger-Lenz

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