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Regional Im Interview: Andreas Döring, Intendant des JT Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Im Interview: Andreas Döring, Intendant des JT Göttingen
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00:17 21.02.2013
Leitet bis Sommer 2014 das Junge Theater: Andreas Döring (45). Quelle: EF
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Göttingen

Im Sommer 2014 wechseln Sie nach Celle. Es wäre unfair, das Bild des Kapitäns, der das sinkende Schiff verlässt aufzuzeigen. Sie sind vor neun Jahren als JT-Intendant und -Retter angetreten – mit Erfolg. Was werden Sie in den Ihnen verbleibenden Monaten fürs JT tun?

Als Regisseur werde ich den „Großen Gatsby“ herausbringen und damit den Sparauflagen im Rahmen des Entschuldungshilfeprogramms (EHP) der Stadt Göttingen entgegenwirken, weil es meine dritte Inszenierung über Vertrag ist. Und ich werde mit allen Beteiligten, Belegschaft und Stadt, daran arbeiten, wie es weitergeht mit dem Jungen Theater. 

Laut Vertrag müssen Sie wie viele Inszenierungen pro Spielzeit abliefern?
Zwei.

Welche Vorschläge zur künftigen Neuausrichtung des Jungen Theaters sind für Sie akzeptabel, welche nicht?

Völlig inakzeptabel und arbeitsrechtlich sowie gesellschaftsrechtlich ebenso wie hinsichtlich der künstlerischen Leitung ist der Vorschlag, einen DT-Mitarbeiter als künstlerischen Leiter einzusetzen. Das steht in kompletten Widerspruch zu den Zusagen des Oberbürgermeisters. Das JT muss nach dem Intendantenprinzip geleitet werden, was immer Hoheit für Spielplan, Budget, Mittelverteilung und Personal bedeutet. Akzeptabel ist für mich ein JT nach dem vom Theaterteam gemachten Vorschlag, der mit dem Ratsbeschluss konstruktiv umgeht. Es gibt eine 46 Seiten umfassende Prüfliste und ein Leitbild über das Profil eines künftigen JT, das Stärken und Schwächen als Diskussionsangebot auflistet.

Und das bezieht sich auf beide Bühnen?
Ja, weil die künstlerischen Überlegungen strukturelle Veränderungen über die bereits angedachten Werkstätten- und Funduszusammenlegungen so gestalten, dass sie Synergieeffekte erzielen. Die Theater sollten durch die Neuorganisation möglichst von den jeweiligen Qualitäten und Eigenheiten gegenseitig profitieren, durch ihre Koexistenz eine Identifikationsfläche für möglichst alle Menschen aus Stadt, Landkreis und Region bieten, und die Universitätsstadt Göttingen könnte als Theaterstadt mit Modellcharakter attraktiver werden und auch eine größere überregionale Beachtung erhalten.

Werden die Vorschläge verwirklicht?
Dieses Papier ist nie besprochen worden. Ich bin empört darüber, dass es ausschließlich Ausladungen gegeben hat zu meinen inhaltlichen Vorschlägen: Die Politik hat diesen Prozess nicht begleitet und keine Moderation angeboten. Ende September 2012 wurde das Thema verschoben mit der Begründung, der neue Intendant des Deutschen Theaters müsse abgewartet werden. Das akzeptiere ich bis heute nicht.

Weil das Konzept jetzt schon wirken könnte?
Ja, die erlössteigernden und kostenmindernden Folgen sind alle abgeblockt worden. Deshalb hat sich die Politik aus meiner Sicht um keine Lösung bemüht. Der Sparkurs geht derzeit nur zu Lasten des JT, dem Mittel weggenommen werden. Die Politik hat Verfahren in die Wege geleitet, aber dabei ihr Nachdenken an der Garderobe abgegeben. Das kommt den Kräften entgegen, die das JT plattmachen wollen.

Kennen Sie das vom Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins Nord vorgelegte Gutachten zur Situation der beiden Göttinger Bühnen?
Natürlich, es rastert vier mögliche Modelle mit deren Möglichkeiten und Konsequenzen auf. Aber es ist von der Stadt in Auftrag gegeben worden, deshalb darf ich nichts dazu sagen. Ich warne vor dem Verfahren, dass einerseits von der Stadt bürgerschaftliches Engagement fürs Junge Theater gefordert wird, aber jetzt der Förderverein kein Gestaltungsrecht erhält. Dabei hat die Stadtverwaltung kein eigenes Modell entwickelt, hat keine Vorgaben selber geprüft, sondern droht ständig mit negativen Konsequenzen fürs JT. Es ist ein unsägliches Verfahren ohne Inhalte.

Wie sieht Ihr JT der Zukunft aus?
Wir haben in dieser Stadt wunderbare Schauspieler und ein großartiges Publikum. Derzeit erreichen beide Theater pro Spielzeit über 120    000 Zuschauer. Das neue Kulturticket für Studierende bringt uns neue Zuschauer und läuft richtig gut. Ich halte ein Publikumspotenzial von bis zu 200   000 Besuchern für möglich. Das würde vor dem Hintergrund der Sparauflagen Erlöse bringen, die Luft zum Atmen geben. In einer guten Partnerschaft mit dem Deutschen Theater und mit dem neuen DT-Team kann ein tolles miteinander abgestimmtes Theaterprogramm für Stadt und Region entwickelt werden, das die beiden Bühnen nicht nur zu Sparobjekten, sondern zu einer kulturellen Hochburg macht.

Internet: junges-theater.de

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