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Im Interview: Intendant der Händel-Festspiele

Tobias Wolff Im Interview: Intendant der Händel-Festspiele

Seit dem vergangenen Jahr ist Tobias Wolff Geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Jonas Rohde hat mit ihm über seinen Einstieg gesprochen, aber auch über das Festival im kommenden Jahr.
 

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Geschäftsführender Intendant: Tobias Wolff.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Was können Sie über das Festspielprogramm 2013 erzählen?

Das große Thema ist „Händel und der Orient“. Viele Stücke von Händel spielen im Orient. Etliche Protagonisten sind Perser, Sarazenen oder Hunnen. Die Oratorien spielen fast alle im Heiligen Land, Ägypten ist aber auch ein großer Schwerpunkt. Gerade vor dem Hintergrund des Arabischen Frühlings und dem, was gerade in Israel und Palästina los ist, wollten wir diese Themen ein bisschen in den Fokus stellen, ohne die Festspiele politisch zu überfrachten.

Wir haben zudem festgestellt, dass uns das Programm ganz viele Möglichkeiten gibt, auch mal neue Formate auszuprobieren und neue Leute anzusprechen. Ich freue mich besonders, dass wir mit der jüdischen Gemeinde eine Kooperation eingegangen sind. In diesem Jahr gibt es mit Händels „Joseph und seine Brüder“ ja ebenfalls einen alttestamentarischen Stoff für das Oratorium, den wir Christen uns mit dem Judentum teilen.  Wir haben auch spannende Veranstaltungen aus dem Crossover-Bereich, beispielsweise eine kurdische Sopranistin, die Händel und Weltmusik verbindet oder das „Ensemble Naya“, in dem Laurence Cummings schon sehr lange mitspielt. Dort sind Musiker aus ganz verschiedenen Ländern und Stilrichtungen versammelt, die eine Brücke zwischen dem Barock und einer orientalischen Musik schlagen werden.

Welche Oper steht im kommenden Jahr im Zentrum?

„Siroe, Re di Persia“. Eine ganz spannende Geschichte aus dem Persien des sechsten Jahrhunderts rund um den König Cosroe den Großen und die große Frage, wem er sein Erbe vermacht und wer sein Nachfolger werden darf. Sein jüngerer Sohn hat es natürlich auf die Krone abgesehen und schnell gibt es Intrigen am Hofe. Aber wie immer bei Händel gibt es natürlich ein Happy End!

Unter der Regie von Doris Dörrie hat der Ferne Osten Einzug in Göttingen gehalten. Wird die Inszenierung der kommenden Oper ähnliche Wege gehen?

Nein, die Inszenierung selber nicht. Wir haben uns lange darüber unterhalten, was der Kern des Stückes ist. Natürlich spielt es in einem persischen Setting, aber es geht im Prinzip doch um eine Familiengeschichte. Ich glaube, wir haben genug im Programm, was der Thematik der Festspiele Rechnung trägt. Beispielsweise haben wir als drittes großes Projekt mit dem Festspielorchester noch eine Gala mit einem ganz bunten, sinnlichen und orientalischen Programm geplant. Zusammen mit Sandrine Piau, der großen Königin der französischen Barockmusik.

In einem früheren Interview haben Sie gesagt, dass Sie Hemmschwellen abbauen möchten, um weitere Bevölkerungsschichten zu erreichen. Wie genau reflektiert das Rahmenprogramm diesen Anspruch?

Es ist in diesem Jahr so, dass sich Laurence Cummings gewünscht hat, mit den Solisten und dem Festspielorchester eine Familienfassung der Oper anzubieten. Und das finde ich eine tolle Sache, weil es ja oft auch preisliche Hintergründe hat, dass die Leute die Oper nicht besuchen können. Manchmal ist es auch eine Frage der Hemmschwelle: „Dreieinhalb Stunden Händel, ob ich das aushalte?“ Ich glaube, bei so einer Familienfassung in der Stadthalle hat man die Möglichkeit, in einer Stunde die Solisten, das Orchester und das Stück kennenzulernen und trotzdem noch einen gewissen Abstand zu haben.

Inwiefern helfen neue Kooperationen bei der Gewinnung anderer Zielgruppen?

Hemmschwellen können auch abgebaut werden, in dem man neue Leute anspricht. Wir werden auch einige Führungen durch eine Moschee anbieten, weil sie beim Thema „Händel und der Orient“ natürlich mit dazu gehört. Zudem haben wir auch neue Spielstätten in der Region. Es ist spürbar, dass die Verbundenheit mit den Händel-Festspielen im Landkreis sehr viel stärker geworden ist. Wir haben auch einige Kooperationen mit der Musa oder dem Kommunikations- und Aktionszentrum, was zeigt, dass wir uns viel stärker mit den Kulturinstitutionen vor Ort verbinden möchten. Das wird dann hoffentlich ein ganz dichtes Netzwerk ergeben. Und wir hoffen, dass wir ganz viele neue Leute willkommen heißen dürfen.

Das Public Viewing der Oper wurde immer sehr gut angenommen. Findet auch dieses Projekt seine Fortsetzung?

Ja, aber den Ort geben wir noch nicht bekannt. Wir haben mehrere Kooperationspartner, aber es ist natürlich immer eine Frage des Wetters.

Neue Wege sind die Händel-Festspiele auch mit dem Jugendopernprojekt „Bock auf Barock“ gegangen. Wird es auch hier eine Wiederholung geben?

Wir sind in der Vorbereitung für ein Jugendopernprojekt, sind aber zu der Einsicht gekommen, dass wir mehr Zeit brauchen. Die Bewilligung einer zusätzlichen Förderung zieht sich leider noch hin, und die Zeit, alles ordentlich vorzubereiten ist einfach zu knapp. Wir werden das also auf das Jahr 2014 verschieben, dafür wird es aber auch eine Ecke größer werden als das letzte.

Welche Solisten konnten für die kommenden Festspiele verpflichtet werden?

Wir haben natürlich auch großartige Solisten wie Anne Sofie von Otter, die Grande Dame der Barockmusik. Der Oboist Albrecht Mayer und die Violinistin Rachel Podger sind auch mit von der Partie, das sind natürlich großartige Solisten. Außerdem haben wir den libanesischen Komponisten Mahmoud Turkmani verpflichten können, ein Auftragswerk für das Göttinger Symphonie-Orchester zu schreiben. Als Ausgangspunkt dient ihm eine Idee von Händel, die er eigens für das GSO zu einem Werk ausformulieren wird.

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