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„Immer der Beste – immer in Schwarz“

DT-Premiere: Johnny Cash „Immer der Beste – immer in Schwarz“

Johnny Cash, der Mann in Schwarz, der von den Gospels zwischen den Baumwollballen seiner Heimat Arkansas kam und einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Counrtry-Sänger aller Zeiten wurde, steht im Mittelpunkt des neuen Stückes am Deutschen Theater (DT). Die Premiere in der Inszenierung von Intendant Mark Zurmühle wurde gefeiert. 

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Souveräne sängerische Präsenz

Der Verzweiflung von der Schippe gesprungen: Johnny Cash (Jan Pröhl) und June Carter (Andrea Strube) in Cashs Straßenkreuzer (Bühne: Eleonore Bircher).

Quelle: Winarsch

In einer Scheune in Arkansas, zwischen Stroh und Baumwolle, zwischen Hund, Hühnern, mütterlich christlichen Gospelsongs, harter Arbeit  und der Willkür des väterlichen Zornes hört John Ray Cash zum ersten Mal Radio. Für ihn steht von da an fest: „Ich will ins Radio!“ Mit neun Jahren besucht er zu Fuß ein Konzert der Carter-Family, June Carter verspricht er schon damals: „Ich werde dich einmal heiraten.“ Doch bis zum umfeierten Johnny Cash und vergeht noch viel Zeit – ein Staubsaugervertreter-, ein Familienvater- und ein Musikerleben mit Glück und Verzweiflung, ein amerikanischer Traum aber auch eine Geschichte von Einsamkeit, Alkohol und Drogen. 

Mark Zurmühle hat das Leben und die Lieder grob chronologisch, mit Rückblicken und kleinen Zeitsprüngen, inszeniert. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Hans Kaul setzt er auf Cashs Songs und die Stimmen des Ensembles, und sie behalten Recht damit. Ein ganz neuer Jan Pröhl zeigt eine große Singer-Songwriterfigur, die mit tiefem Bariton und größter Bühnenpräsenz rund 15 Songs einen eigenen Charakter gibt und zugleich Cash abseits von Joaquín Phoenix aus James Mangolds Filmbiografie „Walk the Line“ interpretiert. 

Jederzeit Johnny Cash

Ob als Kind, als verliebtem jungen Mann oder als alterndem Musiker, dem man anmerkt, dass er schon 500 Songs geschrieben und gesungen hat und dessen große Liebe gerade gestorben ist, den „Mann in Schwarz“ nimmt man ihm in jedem Moment ab. An seiner Seite ist zuerst Sarah Hostettler als Vivian, und später Andrea Strube als June Carter, mit der der Musiker 35 Jahre verheiratet war. Beide sind in mehreren Rollen zu sehen und spielen auf verschiedenen Ebenen klug Gegensätze aus, die ein Spannungsfeld ermöglichen. 

Des Sängers unkonventionelle Texte, „die harten Lieder sind nichts für sie, Cash“, wie sein erster Manager, gespielt vom vielfältigen  Karl Miller, meinte, machen ihn berühmt. Legendär das Konzert im kalifornischen Gefängnis Folsom Prison und die sehnsuchtsvollen Stücke von Land und Liebe. Mit dabei ist immer seine Band, die auch im DT auf der Bühne spielt, Roland Bonjour am Schlagzeug, dazu die Tennessee Two (statt Three: Fred Kerkmann und Jan Exner).   

Mit dem „Boom-Chicka-Boom“-Sound beginnt fast jedes der rund 20 Lieder , einige Gospels und Traditionals komplettieren die musikalische Breite, die von allen Schauspielern an diesem Abend getragen wird, vom geläuterten Häftling, Alois Reinhard, bis zum jung verstorbenen Bruder Jack Cash, Aaron Bircher. Song folgt auf Song in  fast drei Stunden und drei Zugaben, dabei erzählt sich sehr gut zwischen den vollen Tönen die Lebens- und Liebesgeschichte dieses Mannes, der „immer Schwarz trug und immer der Beste“ war. 

Im Deutschen Theater in Göttingen, Theaterplatz 11, wieder am 14. und 19. Mai, im Juni am 5., 9., 11., 19. und 22. jeweils um 19.45 Uhr. Karten unter Telefon 0551/496911.  Tina Lüers

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