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Regional Christian Dinger verabschiedet sich aus Göttingen
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00:17 07.08.2018
Christian Dinger (r.) spielte bei seiner Abschiedsvorstellung in jeder Szene mit. Quelle: Rüdiger Franke
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Göttingen

„Es war noch nie so anstrengend“, sagte Dinger nach dem Auftritt, „und noch nie so heiß.“ 85 Zuschauer schwitzten im Nörgelbuff mit ihm und den anderen Schauspielern. Und der Scheidende wurde bei den tropischen Temperaturen tatsächlich hart rangenommen. Gleich in der ersten Szene war er „das Ding“, musste also alle Gegenstände, die vorkamen, darstellen – vom Fahrrad und einem Fahrradschloss über einen Raketenwerfer und der daraus versehentlich abgefeuerten Rakete bis zum Pflasterstein und einer Schaufensterscheibe.

Christian Dinger (unten) spielte bei seiner Abschiedsvorstellung in jeder Szene mit. Quelle: Rüdiger Franke

Lange Haare im Abfluss

Lange Haare im Abfluss bei „Singen mit Dingen“ beziehungsweise an diesem Abend „Singen mit Dinger“ oder mit Kaugummis verklebte Panzerrohre bei „Good cop, bad cop“ – die Situationen waren oft absurd, wie beim Improvisationstheater üblich. Improvisationstheater könne man nicht nacherzählen, sagte Christian Dinger. Das sei, als würde man Witze erklären. Impro, wie es kurz genannt wird, lebe von der Situation. Beatriz Beyer pflichtete ihm bei. Sie schaue sich Impro nicht mal auf Video an, denn das könne die Stimmung im Club nicht wirklich abbilden. Impro sei aber einfach, erklärte Dinger. „Es braucht nur zwei Dinge: Freude am Spiel und ein übersteigertes Selbstbewusstsein.“ Und das haben seine Mitspieler, wie er ihnen in seiner kurzen Abschiedsrede mitteilte. Es falle ihm schwer zu gehen und zugleich unglaublich leicht, denn „jetzt ist Improsant so gut wie nie“.

AChristian Dinger (l.) spielte bei seiner Abschiedsvorstellung in jeder Szene mit. Quelle: Rüdiger Franke

Hoffen auf die richtigen Eingebungen

Das Schöne an Impro sei, dass es nicht so anstrengend sei, weil es nicht so viel Vorbereitung brauche. „Wir proben einmal pro Woche für zwei Stunden“, erzählte er. Es sei wichtig, eingespielt zu sein. Trotzdem müsse man auf der Bühne hoffen, die richtigen Eingebungen zu haben. Da helfe es schon, wenn man ein paar Jahre Erfahrung habe. Ebenso wichtig sei, dass die Gruppe den selben Humor habe. Trotzdem seien die Auftritte immer auch tagesformabhängig. „Es kann passieren, dass man einen Blackout hat“, erzählt er. Es sei aber nicht schlimm, wenn man Fehler mache. Eine Workshopleiterin habe mal gesagt: „Es ist nicht unsere Aufgabe zu glänzen, sondern andere zum Glänzen zu bringen.“ Beim Impro sei es wichtig, dass man sich aufeinander verlassen könne. „Man muss sich gegenseitig helfen.“ Und wenn einem wirklich mal nichts zu einem Thema einfalle, könne daraus aber auch wieder etwas anderes entstehen.

Christian Dinger (l.) spielte bei seiner Abschiedsvorstellung in jeder Szene mit. Quelle: Rüdiger Franke

Vertrauenssache

„Mit Christian geht ein Freund“, erklärte Beatriz Beyer. Er habe immer eine gewisse Ruhe und Besonnenheit ausgestrahlt. Er möge die Improsant-Philosophie in Frankfurt weitergeben, wünschte sich die Teamchefin. „Ich denke, dass ich mir in Frankfurt nach einer gewissen Zeit eine neue Gruppe suchen werde“, sagte Dinger. Das Improvisationstheater sei schließlich ein wichtiger Bestandteil seines Lebens geworden. Dabei habe man die Möglichkeit, man mal andere Seiten von sich ausleben zu können. „Ich werde mir aber Zeit lassen, denn zu Impro gehört eben auch viel Vertrauen.“ Die neue Gruppe könne sich freuen, sagte Beyer, denn „mit Christian kann man auf der Bühne immer rechnen.“ Was Improsant ohne ihn auf der Bühne zurecht kommen, wollen sie bei ihrer nächsten Werkschau im Oktober zeigen.

Von Rüdiger Franke

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