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Regional Improtheater: Comedy Company besteht seit 15 Jahren
Nachrichten Kultur Regional Improtheater: Comedy Company besteht seit 15 Jahren
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00:17 24.12.2012
„Das Ganze ist ja auch Teamwork mit dem Publikum.“: Lars Wätzold über Improtheater, die Anfänge und Lampenfieber. Quelle: Vetter
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Herr Wätzold, 15 Jahre gibt es die Comedy Company. Was hat sich im Lauf der Zeit verändert?

Wir sind erwachsen geworden. Angefangen haben wir mit kurzen Impro-Nummern. Als wir dann nur noch fünf waren – seit zwei oder drei Jahren sind wir vier – fingen wir mit Lang-Formen an. Ich glaube, wir zeigen, dass man lange Geschichten improvisieren und trotzdem witzig sein kann. Man sagt ja immer, das würde sich ausschließen.

War für Sie immer schon klar, dass Sie einmal auf der Bühne stehen wollen?

Ich habe schon in der Schule Theater gespielt. Zum Studieren bin ich dann nach Göttingen gekommen. Ich wusste aber nie so richtig, was ich machen sollte. Im Theater im OP (ThOP) habe ich dann gespielt und geschrieben. 96 /97 sagte eine Mitarbeiterin: „Hier gibt es was Neues – Improtheater. Lasst uns das doch mal ausprobieren.“ Und der Einzige, der sofort gesagt hat, „das ist geil“, war ich. Dann habe ich die anderen zusammengetrommelt. Wir kannten uns alle vom ThOP – bis auf Michael, der Musiker.

Wieso hat sich die Gruppe verkleinert?

Göttingen ist ja so ein Durchlauferhitzer. Dass wir nur noch zu fünft waren, ging relativ schnell – nach zwei Jahren, glaube ich. Alexis hat uns dann als letztes vor ein paar Jahren verlassen – in Richtung Springmaustheater (Springmaus-Improvisationstheater Bonn, Anm. der Redaktion).

Man kann nie vorhersagen, was passiert. Ist der Gang auf die Bühne da nicht noch schwieriger als für andere Künstler?

Ja. Wenn die Leute keinen Bock drauf haben, fahren wir mit der Show an die Wand. Wenn uns das Publikum eine Chance gibt, läuft es. Aber es ist immer eine gewisse Rest-Unsicherheit da. Das Ganze ist ja auch Teamwork mit dem Publikum.

Sie sind also noch immer vor Auftritten nervös?

Die Minuten davor immer – außer im Lumière. Aber sobald  man auf der Bühne ist, ist es vorbei.

Ist man als Improschauspieler wirklich frei in seinen Möglichkeiten?

Keith Johnson, der Godfather des Theatersports, hat gesagt: Am Anfang einer Improshow ist alles offen, am Ende ist immer weniger möglich. Im Idealfall gibt es ganz am Ende nur noch einen möglichen Schluss. Und ein guter Improschauspieler macht den.

Sie bieten auch Workshops an. Kann jeder Improschauspieler werden?

Ja. Jeder, der das Talent zum Schauspieler hat. Dann gibt es natürlich bestimmte Spielregeln.

Welche sind das?

Also: Angebote machen. Ich muss den Ball rüberspielen, grundsätzlich ja sagen. Ich muss die Angebote annehmen. Wenn ich sage: Der Wagen steht bereit, sollen wir jetzt die Bank ausräumen? Kann ich nicht sagen: Och nö. Die Ws klären. Dann kann man eigentlich losspielen. Und: Haltung haben. Immer.

Was meinen Sie damit?

Jeder von uns hat Haltungen zu allem möglichen. Improvisationstheater ist ein tolles Mittel, um das zu reflektieren. Entscheidend ist nicht: Was tue ich, was sage ich? Sondern: Wie ist meine Haltung? Wenn meine Rolle zum Beispiel der Vater ist: Ist das ein Tyrann, ein Weichei, ein Verständnisvoller, Lieber? Das ist die Entscheidung, die ich treffen muss. Das strukturiert die Handlung dann von ganz allein.

Woran kann Improvisation scheitern?

Wenn es auf der Bühne nicht klappt, liegt das immer an der Angst vor der Zukunft. Menschen brauchen Sicherheiten. Beim Improtheater muss man aber Risiken eingehen. Meet the Monster.

Die Comedy Company feiert ihr 15-jähriges Bestehen mit einer Geburtstagsshow am Sonnabend, 12. Januar, um 19 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 48 45 23.

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