Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
In den Pakt mit dem Teufel hineingeschlittert

Duderstädter Rathauskonzerte In den Pakt mit dem Teufel hineingeschlittert

Der Prunk des Duderstädter Rathaussaals mit seinen Kronleuchtern und seinem Wappenschmuck steht in eigenwilligem Kontrast zu der Geschichte um den einfachen Schweizer Soldaten aus der Gegend zwischen Chur und Wallenstadt.

Voriger Artikel
Bedrohlichen Trompeten in tiefen Registern
Nächster Artikel
Gewalt unter Schülern im Zeltlager

„Geschichte vom Soldaten“: Sprecher Patrick Rohbeck (links), Dirigent Volker Schmidt-Gertenbach und Instrumentalisten.

Quelle: Walliser

Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ – drei Tage vorher in Göttingen in einer getanzten Fassung mit reduzierter musikalischer Besetzung vorgeführt – eröffnet die neue Saison der Duderstädter Rathauskonzerte.

Hier ist das Instrumentarium vollständig: zwei Streicher (Geige, Kontrabass), zwei Holzbläser (Klarinette, Fagott) und zwei Blechbläser (Trompete, Posaune), dazu ein Schlagzeuger. Die komplizierten Rhythmen machen einen Dirigenten nötig: Volker Schmidt-Gertenbach, von 1974 bis 1989 Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO), der schon Ende der 1960er Jahre dieses Werk mit GSO-Musikern im Jungen Theater in Göttingen aufgeführt hatte. Heute entstammt sein Ensemble der Mährischen Philharmonie Olmütz. Das sind sieben hochprofessionelle, sehr engagierte Musiker, die ihre verzwickten Parts mit größter Konzentration, viel Spielwitz und Sinn für die feine musikalische Ironie des Komponisten vorführen: hier ein schräger Choral, dort ein Walzer, der die Grenzen des Dreiertaktes immer wieder überschreitet, hier ein augenzwinkernd vorgetragener Anflug von Sentimentalität, dort ein unerbittlich fortgeführter Rhythmus mit widerborstigen Akzenten.

An der Nase herumgeführt

Auf Schauspieler und Tänzer hat diese Produktion verzichtet. Geblieben ist der Sprecher. Er erzählt die Geschichte des Soldaten, der in einen Pakt mit dem Teufel eigentlich nur hineingeschlittert ist, den Gehörnten einmal an der Nase herumführt und für kurze Zeit das wahre Glück kennenlernt, bis der Teufel ihn holt.

Patrick Rohbeck, studierter Sänger, ist ein Erzähler, dem man sofort gern zuhört. Er nutzt sehr wandlungsfähig Stimmlagen und Stimmfarben zur Charakterisierung der handelnden Personen, die so auch ohne jegliche szenische Darstellung in der Fantasie der Zuhörer ausgesprochen lebendige Gestalt gewinnen. Einzig in einer längeren Musiknummer, in der die (vielfach gebrochenen) Tanzrhythmen gleich ins Ohr fallen, macht sich die Abwesenheit von Tänzern bemerkbar. Am Ende ist der Beifall der Zuhörer – darunter etliche Göttinger – so begeistert, dass das Ensemble eine kurze Musiknummer als Zugabe wiederholen muss.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag