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Indianermütze aus Müsli, Schuhe aus Tofu

Zwischen Kabarett und Comedy Indianermütze aus Müsli, Schuhe aus Tofu

Mark Britton hat zur Familienberatung ins Apex geladen. „Zuhause bei Britton – Frauen und Kinder zuerst!“ heißt sein Programm. Der Engländer weiß, wovon er redet. Immerhin hat er eine Frau und zwei Kinder.

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In Deutschland geboren, in England aufgewachsen, inzwischen wieder zurück: Mark Britton.

Quelle: Theodoro da Silva

Der eine Junge ist fünf der andere 15 Jahre alt. Zwei Stunden Family-Burn-out. Vom Krippenspiel bis zum Kiffen deckt Britton alle Themen ab. Und eins beherrscht er ganz besonders: Humor. Typisch englischen Humor in deutscher Sprache. Der Saal ist voll, und alle Lachen, die ganze Zeit.

Dabei plaudert der 52-Jährige, der in Deutschland geboren und in England aufgewachsen ist, nur ein wenig aus dem Nähkästchen. Er macht so eine Art Familien-Brainstorming. Elternabend. Das ist ein Thema, das ihn schon nervt, wenn er an die Sitzkreise auf unbequemen Kinderstühlchen denkt. Aber nicht nur das Mobiliar stört, vielmehr die Leute. Wenn Britton eins nicht leiden kann, ist das die Holzspielzeugbrigade: Indianermütze aus Müsli, Schuhe aus Tofu, ein Flugblatt gegen Spaß, immer schlecht gelaunt, Stillen bis zum Abitur. Das ist nichts für Britton, aber wunderbar fürs Kabarett. Er gehört vielmehr zu der „Das ist mir doch scheißegal, ich möchte lieber nach Hause fahren“-Fraktion.

Britton hat von seinen Kindern gelernt. Er zeigt seinem Publikum beim „Apex-Happening“ bäuchlings auf dem Boden strampelnd und schreiend, wie er bei seiner Bank einen 10 000 Euro-Kredit erwirkt hat, oder er klärt darüber auf, dass Männer bellend wie Hunde streiten und Frauen wie Katzen. „Die Ironie des Familienlebens besteht darin, es erst zu ertragen, um später in Erinnerungen darin zu schwelgen“, sagt Britton und fragt: „Geht’s uns nicht allen so? Wir Menschen gehören alle zu einer großen Familie - nur die Nachbarn sind zum Kotzen.“

Der Abend mit Britton ist eine Mischung aus Kabarett, Slapstick, Pantomime und Situationskomik. Britton ist wandlungsfähig und brilliert als piefiger Pope ebenso wie als Camilla Parker Bowles oder als Prinz Charles. Und dabei denkt er ökonomisch. „Ich weiß, Sie haben alle einen Babysitter“, sagt er beim Schlussapplaus und bringt umgehend sein Equipment für die Zugabe mit. Und dann sagt er noch, dass er Lust hat wieder zu kommen. Soll er machen!

Von Eida Koheil

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