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Festspiele ganz ohne Thema

Internationale Fredener Musiktage Festspiele ganz ohne Thema

Mit einem Kammerkonzert sind am Wochenende die 27. Internationalen Fredener Musiktage eröffnet worden. Noch bis zum 30. Juli stehen in der Zehntscheune Freden sowie in den benachbarten Kirchen Wrisbergholzen und Winzenburg zahlreiche Konzerte auf dem Programm: in diesem Jahr ohne Thema.

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Quelle: r

Freden. Der Verzicht auf ein Thema bedeutet viel Freiheit für die Programm-Macher. Die haben sie im Eröffnungskonzert weidlich ausgenutzt: Bunt und kontrastreich waren die vier Stücke, mit denen die Camerata Freden in der vollbesetzten Zehntscheune ihr Publikum unterhielt und faszinierte.
Einstieg war eine Repertoire-Seltenheit: Händels Chaconne aus der g-Moll-Cembalosuite in einer Bearbeitung für Violine und Viola des Norwegers Johan Halvorsen (1864-1935). Der Arrangeur halst den Spielern enorme virtuose Schwierigkeiten auf, die Adrian Adlam (Violine) und Ulrich Eichenauer (Viola) fast durchweg mit größter Souveränität bewältigten. Die Mischung aus barockem Fundament und spätromantischem Geist war faszinierend.

Sehr heiter setzte Adlam das Programm solistisch fort. Der englische Komponist Adlan Ridout (1934-1996) hat das 1936 herausgekommene Kinderbuch „Ferdinand der Stier“ des Amerikaners Munro Leaf als Melodram bearbeitet und dabei die wunderschön pazifistische Geschichte des blumenliebenden Tieres, das keinesfalls an einem Stierkampf teilnehmen mag, behutsam musikalisch illustriert. Adlam war Sprecher und Spieler in einer Person und ließ sich weder beim Spiel vom eigenen Sprechen stören noch beim Sprechen vom eigenen Spiel. Das Melodram präsentierte er so spannend und charmant, dass man das Publikum bisweilen lächeln zu hören meinte.

Nun ging es weiter zur „echten“ Kammermusik. Zu Adlam und Eichenauer gesellte sich der Cellist Lionel Handy, um Schuberts jugendlich-schwelgendes Streichtrio B-Dur D 581 entspannt und kultiviert zu musizieren. Eine unbeschwerte Vorbereitung zum geradezu symphonischen Finale des Abends, dem Klavierquintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms, in der Violinist Edward Daniel und der bravouröse Pianist Thomas Hell das Ensemble komplettierten.

Es ist ein heikles Unterfangen, in diesem Werk die klangliche Ausgewogenheit zwischen dem bisweilen ausgesprochen massiven Klaviersatz und den Streicherklängen herzustellen. Dass dies gelang, ist vor allem der pianistischen Kultur Hells zuzurechnen, der immer wieder die wuchtigen Klänge lüftete und dafür sorgte, dass auch im dichtesten Satz die musikalischen Strukturen durchsichtig blieben. Im Ausdruck waren sich alle fünf Ensemblemitglieder stets einig, reagierten blitzschnell aufeinander, ließen sich auch von den wildesten Brahmsschen Synkopen nicht aus der Fassung bringen und führten das sperrig-schöne Werk zu einem triumphalen Ende. Der Beifall strömte angemessen.

Die weiteren Termine

In der Zehntscheune Freden tritt am Dienstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr das Acelga-Bläserquintett mit Musik von Rossini, Zemlinsky, Ligeti und anderen auf, am selben Ort gibt am Mittwoch, 26. Juli, um 19.30 Uhr die Camerata Freden ein Konzert zum 100. Geburtstag von Thelonious Monk. Am Donnerstag, 27. Juli, liest um 19.30 Uhr in der Kirche Wrisbergholzen der Schauspieler Michael Trischan Texte von Martin Luther unter dem Motto „Errette mich von den Einhörnern“, umrahmt mit Tenorliedern des 16. Jahrhunderts, ausgeführt von der Lauttencompagney Berlin. Europäische Chormusik aus fünf Jahrhunderten unter dem Motto „My souls does magnify the Lord“ singt am Freitag, 28. Juli, der Kathedraljugendchor Trier in der Kirche Winzenburg. Beginn ist um 19.30 Uhr. Streichquartette von Mozart, Mendelssohn und anderen spielt am Sonnabend, 29. Juli, das Armida-Quartett in der Zehntscheune Freden (Beginn: 17 Uhr).

Ein Jazz-Nachtkonzert (21 Uhr Zehntscheune) und eine Jamsession mit dem Pianisten Hans Koller und anderen (23 Uhr Hotel Steinhoff, Café) folgen. Abgeschlossen wird das Festival am Sonntag, 30. Juli, um 17 Uhr in der Zehntscheune mit einem Konzert der Camerata Freden, bei dem unter anderem ein Kammermusikstück der Komponistin Tansy Davies uraufgeführt wird.

Karten telefonisch unter 0 51 84 / 95 01 79 oder online unter fredener-musiktage.de (Button Service).

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