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Internationales Impro-Festival der Göttinger Comedy-Company

Zehnjähriges Bestehen Internationales Impro-Festival der Göttinger Comedy-Company

Das Internationale Impro-Festival der Göttinger Comedy-Company hat seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Vom 10. bis 14. April gratulierten Spontan-Schauspieler dreier Gruppen aus Deutschland und Frankreich in insgesamt  acht Vorstellungen in Göttingen und Uslar auf ihre eigene Weise: Mit improvisiertem Theater und skurrilen Geschichten.  

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Überzeugender Gastbesuch: Matthieu Loos und Marko Mayerl aus Lyon.

Quelle: Heller

Göttingen. „Ist eine Frau ohne Mann hier?“ – „Ja, ich hier“, ruft eine junge Dame aus dem zweiten Rang, die prompt auf die Bühne kommen soll und mit einem Liebeschanson bedacht wird.

Damit hatte sie wohl nicht gerechnet. Beim Besuch einer Improtheatershow bleibt das Publikum eben nicht verschont.

Bis in die oberen Ränge sind die Plätze zur Show „Durcheinandergewürfelt“ besetzt – eine große Herausforderung zum zehnten Göttinger Improfestival, das erstmals im Großen Haus des Deutschen Theaters gastiert. Für die Göttinger Comedy-Company und ihre Gäste, „die Kaktussen“ aus Würzburg und die „Compagnie Combats Absurdes“ aus dem französischen Lyon, kein Problem. Mit einem Warm-up animiert Michael von Zalejski als enthusiastischer Showmaster das Publikum. Es gelingt, die Stimmung ist beschwingt und hält sich eineinhalb Stunden.

Vielfalt an Humor

Der Abend bietet eine Vielfalt an Humor, Originalität und schauspielerischer Leistung. Die Szenen – mit denen die drei Schauspielgruppen in Konkurrenz treten – drehen sich um eine Hochzeit auf dem Bismarckturm, bis zu der sich die Verlobten nur aus dem Internet kannten und so manche Überraschung erleben; das Tagebuch einer Schaufensterdekorateurin, die wegen Brandstiftung im Gefängnis landet oder ein Mörder mit Ödipuskomplex sind ebenfalls Grundlage für das improvisierte Spiel.

Ständiger Gefühls- oder Genrewechsel hält die Schauspieler auf Trab. Zum Amüsement der Zuschauer tragen auch die unbeabsichtigten, sprachlichen Neuerfindungen der Franzosen bei, wie die schreckliche Krankheit „Verlorung“, bei welcher der Betroffene seine Extremitäten verliert. Für die musikalische Untermalung und somit die jeweils passende Atmosphäre sorgt von Zalejski am Keyboard.

Ein Höhepunkt ist die „Wagner-Oper“, in der sich die Darsteller der Comedy Company mit Operngesängen um einen Knopf streiten – hier ist das eine oder andere Gesangstalent zu entdecken.

Zwar gewinnen am Ende alle drei Gruppen, besonders im Gedächtnis bleiben aber die Franzosen Matthieu Loos und Marko Mayerl, die mit ihrer sogenannten „Slow-Impro“ einen eigenen, sehr körperbetonten Stil geschaffen haben. Ein Highlight ist die wortlose Darbietung von Mayerl eines auf der Toilette sitzenden Gitarrenspielers, der sich am Ende mit der Saite ungewollt stranguliert – eine pantomimische Glanzleistung.

Spätshow

Die Spätshow „Gemischtes Doppel“ am Abend zuvor im Lumière konnte mit dem Auftritt im Deutschen Theater nicht ganz mithalten. Hier konkurrierten drei gemischte Gruppen um die beste Geschichte: „Stahlhase Liebe“ – eigentlich „Stahlharte Liebe“, ein Sprachwitz, der sich durch den ganzen Abend zog; die Story eines amphibienartigen Lords mit menschenvertreibenden Ausdünstungen und ein Alpendrama über ein Bergsteigertrio, das auf Vampire trifft und familiäre Probleme aufarbeitet, standen zur Wahl.

Im zweiten Teil des Abends improvisierten Die Kaktussen und die Comedy-Company zum Begriff „Frosch“: von einem Märchen in der Unterwelt eines Brunnens bis hin zu einer feinen Dame, die vom Froschgequake verrückt wird. Nach der Pause fehlte es allerdings etwas an Originalität, was vielleicht auch auf die geringe Interaktion mit dem Publikum zurückzuführen ist.

In seiner  Gesamtheit aber ist das zehnte Improfestival wieder ein voller Erfolg und hatte mit dem Auftritt im Großen Haus des Deutschen Theaters sicherlich seinen Höhepunkt – vielleicht eine neue alljährliche Spielstätte?

Von Noreen Hirschfeld

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