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Intimsphäre aus dem Otto-Katalog

Kabarett: Bernd Gieseking Intimsphäre aus dem Otto-Katalog

Bernd Giesekings satirischer Jahresrückblick gehört in Göttingen inzwischen zum Kulturprogramm wie Ochs und Esel zu Weihnachten. Bereits zum 16. Mal kommentierte der Ostwestfale am Sonnabend im Apex das abgelaufene Jahr – immer mit neuen Texten, wie er betont.

Zentrales Thema seines Programms „Ab dafür“ ist die Bundestagswahl und ihre Kandidaten. Zum dritten Mal hat sich ein Ostwestfale um die Regentschaft des Landes beworben: Der erste war Arminius, der die Römer besiegte, der zweite Gerhard Schröder, der die SPD besiegte, und der dritte Frank Walter Steinmeier – der unterlag, nach dem Motto: „Hinfallen, aufstehen, Zweiter werden.“
Rasant und geistreich reiht Gieseking Pointe an Pointe. Wenn man im Jahr 20 nach dem Mauerfall Richtung Osten schaut, sind nur drei Dinge übrig geblieben: das Sandmännchen, das Ampelmännchen und Angela Merkel. Sehr komisch: eine Ode auf 30 Jahre Billy-Regal von Ikea oder der Abgesang auf den Otto-Katalog, der Männern seiner Generation in der Jugend (Gieseking ist Jahrgang 1958) einen Blick in die Intimsphäre der Frauen gewährt hat. Der Playboy war zu teuer, die „St. Pauli- Nachrichten“ undenkbar, und die eigene Freundin trug nur Birkenstocksandalen – nicht Pumps und schwarze Strümpfe, wie auf Katalogseite 27 beworben.
Giesekings Programm reicht von A wie Abwrackprämie bis Z wie Zulieferbetrieb Magna. Der frühere Opel-Fahrer führt aus, warum ein Unternehmen mit Namen wie Zafira oder Insignia (dürfen den Protestanten überhaupt kaufen?) nicht bestehen kann.
Die „Generation Schnieke“ ist in diesem Jahr ein weiteres großes Thema. Guido Westerwelle (die Frisur sitzt), Karl-Theodor zu Guttenberg (das Gel glänzt) und Philipp Rösler (der Junge kann doch nichts dafür, dass er in der FDP) ist. Gieseking sinniert darüber, ob es sinnvoll ist, das Gesundheitsministerium mit einem Mediziner zu besetzen. Auf diesen Posten gehört ein Fachmann, meint er – ein Kranker.
Gieseking hat Spaß an den eigenen Pointen. Das steckt an. Zwischendurch sagt er immer wieder, wie gern er gerade diese eine Passage spricht. Das macht seinen Auftritt fast ein wenig familiär. Und nach 16 Jahren Weihnachten mit Bernd Gieseking ist es im Grunde auch wie beim Besuch vom lieben Patenonkel. Wiederkommen!

Von Eida Koheil

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