Irene Dische stellt im Alten Rathaus Göttingen ihren Roman "Schwarz und Weiss" vor
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00:30 16.04.2018
Irene Dische bei der Vorstellung ihres neuen Romans „Schwarz und Weiß“. Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

Dische war auf Einladung des Literarischen Zentrums nach Göttingen gekommen, das für die Lesung erstmals außerhalb des Festival mit dem Göttinger Literaturherbst kooperierte.

Sie spricht leise. In hervorragendem Deutsch. Dische hat deutsche Großeltern wie ihre Leser spätestens seit ihrem brillanten Buch „Großmama packt aus“ wissen. Ausschweifend erzählen ist nicht ihr Ding. Kurze Sätze hat sie parat auf die Fragen der Moderatorin Claudia Christophersen vom NDR. Aber diese kurzen Sätze haben es in sich.

Genauso verhält es sich mit ihrem neuen Buch. Lakonisch, ironisch kommt es daher, voller unerwarteter Wendungen. Rasant und hemmungslos nennt Christophersen die Geschichte, in der es um die Liebe und Ehe von Duke und Lili geht. Dabei illustriert Dische auch gut 30 Jahre US-amerikanische Geschichte.

New York in den 1970er Jahren

Duke, ein mittellloser Schwarzer aus dem Süden der USA, und Lili, einzige Tochter zweier sehr wohlhabender Intellektueller aus New York, lernen sich in Kenia kennen. Eine Liebe wird daraus aber erst in New York. In den frühen 1970er Jahren werden sie ein Paar, ein erfolgreiches Paar: er wird ein gefeierter Weinexperte, sie gefragtes Modell. Ihr gemeinsames Leben ist ein Auf und Ab, sie verletzten sich, verzeihen sich. Vor allem Lili wird sehr „ungemütlich“ wie Dische es nennt, Duke dagegen „sei sehr tugendhaft und verzeihe viel“.

Schonungslos geht sie dabei mit ihren Figuren um, Lili quält ihren Mann und die Katzen ihrer Mutter. Am Ende des Buches, das erfährt der Leser recht früh, wird die Todesstrafe für Duke stehen. „Ich bin an der Wahrheit interessiert“, erzählt Dische, „an der ungeschminkten Wahrheit.“ Sie verstehe die Ehe eigentlich nicht so recht. Das habe sie ergründen wollen. Sie wollte prüfen, wie geduldig einer sein kann, jemand der alles verzeiht. „Und da habe ich so richtig ausgeholt“, erklärt sie mit einem feinen kleinen Lächeln im Gesicht.

Mit der Hummergabel ins Auge

Davon, wie sie ausgeholt hat, gibt Schauspieler Sylvester Groth dem Publikum einen Einblick. Mit markanter Stimme und hervorragendem Timing liest er einige Passagen aus dem Buch. Etwa wie Lili Duke mit einer Hummergabel ein Auge aussticht. Es bleibt irgendwie in der Schwebe, ob mit Absicht oder aus Versehen. Dische ist offensichtlich von der Lesung Grothes sehr angetan. Und er von ihrem Buch. „Du lässt mir meine Fantasie. Das Buch überrascht mich immer wieder“, schwärmt er.

Sylvester Groth schwärmt für den Roman „Schwarz und Weiss“ von Irene Dische. Quelle: Swen Pförtner

Warum sie Lili zu so einer bösen Figur gemacht habe, möchte Christophersen wissen. „Weil sie so ist“, gibt Dische zurück. Sie könne da nicht viel machen. Sie habe natürlich eine Geschichte, die sie erzählen wolle. Dafür habe sie Figuren. Aber ab einem Punkt der Geschichte übernehmen die Figuren das Geschehen. „Ich habe da dann nichts zu melden.“

Viele sehen in Disches Buch auch eine Abrechnung mit Trump und Amerika. Sie habe allerdings schon vor 20 Jahren mit dem Roman begonnen, so Dische. „Wir haben eine Trump-Ära offensichtlich schon sehr lange“, sagt sie. Dass sie Trump für eine Katastrophe hält, daraus macht sie keinen Hehl. Ihre Hoffnung seien die Wahlen zum Repräsentantenhaus im November, dann werde das Parlament hoffentlich demokratisch und Trump sei abserviert.

Irene Dische „Schwarz und Weiss“. Hoffmann und Campe, 496 Seiten, 26 Euro.

Von Christiane Böhm

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