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Regional Irritierend und rührend
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16:18 16.11.2012
Erzählt von seiner Therapie in Göttingen: Benjamin Lebert. Quelle: Heller
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Die Stadt Göttingen spielt in diesem eine entscheidende Rolle, denn Leberts Antiheld Robert begibt sich in die dortige, fiktive Klinik „Waldesruh“ um eine Therapie zu beginnen, deren wesentlicher Teil ein Winterschlaf ist. Aber nicht nur in „Waldesruh“ wird die kalte Jahreszeit verschlafen. Auch im restlichen fiktiven Deutschland.

Dabei diene diese Ruhepause zum Atemschöpfen für die Bürger und sei keine Anordnung eines totalitären Systems, stellt Lebert gleich zu Beginn klar. Manche Menschen lehnten diese Ruhepause aber auch ab und so beschließt der Protagonist Robert mit einem Mitpatienten und einer hübschen Tankstellen-Angestellten, den Winter über wach zu bleiben und durch das verschneite Deutschland nach München zu reisen, wo Roberts Vater im Krankenhaus liegt. Diese Reise ist vor allem eine Reise nach innen.

Leberts Text ist kontemplativ und atmet leise, kränkliche Luft und viel – zum Teil kitschige – Poesie. „Ich entscheide mich oft bewusst dafür, kitschig zu sein“, so der junge Autor. Alles sei besser als Zynismus.

Lebert wurde 1999 mit seinem Debütroman „Crazy“ in sehr jungen Jahren schlagartig berühmt. Jugendliche Leichtigkeit ist aber etwas, das dem immer noch jungen Autor völlig abgeht. So tut er sich auch beim Schreiben nicht leicht: „Ich schreibe wie eine Schildkröte“. Jedes Wort steht für ihn auf dem Prüfstand. Das merkt man auch im Gespräch (bei dem Moderator Johannes Müller nicht besonders gut vorbereitet wirkt.) Es enthüllt, wie autobiographisch Leberts neues Werk ist.

Vor drei Jahren habe er sich in eine Therapie im Göttinger Fachklinikum „Tiefenbrunn“ begeben, aus demselben Grund wie seine Hauptfigur. „Ab und an habe ich aber Chips gekauft, in Mengershausen“, witzelt er leise. Seine Offenheit, seine Verletzlichkeit irritieren und rühren zugleich.
„Ich bin sehr mit mir selbst beschäftigt und kann schwerlich über etwas anderes schreiben“, so der Autor entwaffnend ehrlich. Geduldig zeigt er sich am Ende nicht nur im Umgang mit den zahlreichen Zuschauerfragen, sondern auch beim Signieren. Die Schlange der Interessenten will gar nicht enden.

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