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Jahrzehntelange Arbeit an der „Mette-Lade“

Ausstellung im Alten Rathaus Göttingen Jahrzehntelange Arbeit an der „Mette-Lade“

Von der Abkürzung „Gott Mette“ riet ihm ein guter Freund zu Beginn seiner Karriere ab und so nennt sich der als Gotthard-Tilmann Mette in Bielefeld geborene Cartoonist seitdem „Til Mette“. Am Freitagabend, 14. Januar, ist die Ausstellung „Meine Welt“ von Deutschlands wohl wichtigstem Cartoonisten im Alten Rathaus Göttingen eröffnet worden.

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Spaß während der Eröffnung: Til Mette.

Quelle: Heller

Der Göttinger Ausstellungsmacher Wolf-Peter Fahrenberg nennt Mette in seiner Einführung schlichtweg „ein Genie“, dessen Werke zwar das Tagesgeschehen beschreiben, dieses aber überleben. Er besitze einzigartiges Talent, das in keine Schublade passe, daher arbeite der Künstler gnaden- und rücksichtslos an seiner eigenen „Mette-Lade“. Sein Strich könne in Marmor gemeißelt werden. Dabei reduziere er Hintergründe auf das Wesentliche. „Mettes Landschaften“, so Fahrenberg, „sind nur deshalb als solche zu bezeichnen, weil es sonst keinen Begriff dafür gibt.“

Dem Künstler selbst scheint soviel Lob eher unangenehm, doch die zahlreichen Besucher der Ausstellung pflichten ohne Wenn und Aber bei. In den Räumen hört man die Betrachter glucksen, kichern und laut auflachen. Immer wieder grinsendes Kopfschütteln, ob der abgrundtiefen Bosheiten, die der Zeichner im kulturellen, politischen und religiösen Kontext, gerne auch in der Zweierbeziehung, unverholen zur Schau stellt. „Meine Welt“ gibt einen Überblick über Mettes bisheriges Schaffen. Neben aktuellen Zeichnungen sind auch einige frühe und unbekannte Werke des peinlich genauen Beobachters zu sehen.

Bis auf wenige farbige Cartoons umfasst die Ausstellung hauptsächlich Schwarzweiß-Zeichnungen, die zu sorgfältigem Hinschauen herausfordern. Einige der ursprünglich monochromen kleinformatigen Werke besitzen einen rosa Farbstich, was den Künstler etwas irritiert. Die Drucktinte sei es wohl, so Mette, die unter Lichteinwirkung ihre Farbe verändert habe. Der 54-jährige Wahl-Hamburger, der seit 1995 exklusiv für den Stern zeichnet, arbeitet mit feinem Strich und ist ein wahrer Meister der Schraffur. Mette zeichnet grundsätzlich ohne Lineal, was den perspektivischen Ansichten bisweilen eine liebenswert dilettantische Note verleiht.

Die klug nach Themen gehängte Ausstellung erleichtert die Orientierung. Rassismus ist ebenso Thema wie die Integrationsdiskussion, der Journalismus in Print und TV und immer wieder Krankheit und Tod. Mette stellt die Menschen in den Mittelpunkt, mit all ihren Vorlieben, Schwächen und vor allem ihren Ängsten. Dass der Träger des Deutschen Karikaturenpreises 2009 die Schadenfreude als Fundament deutschen Humors ausmachte, wird in zahlreichen seiner Sujets deutlich. Mette treibt seinen trocknen, makaberen und zeitweise skurrilen Humor auf eine Spitze, die gleichermaßen lachen wie nachdenklich macht. Fazit: unbedingt sehenswert.

Die Ausstellung im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9, läuft noch bis zum 20. Februar. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Von Christoph Mischke

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