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Liaison von Punk, Folk und Country

Kultur / Konzert im Nörgelbuff Liaison von Punk, Folk und Country

Im vergangenen Jahr hat er sein Solo-Album „Past Lives & Pass Lines“ veröffentlicht. Mit diesen Songs, seiner prägnant kratzigen Stimme und einer Akustikgitarre ist der Gitarrist und Sänger der Punkrock-Band „The Scandals“ Jared Hart jetzt auf Solo-Tour und machte auch Station im Musik-Club Nörgelbuff.

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Jared Hart mit prägnanter Stimme im Nörgelbuff.

Quelle: Jörg Linnhoff

Göttingen. Hart stammt aus New Jersey. Der charismatische Sänger und Gitarrist der Punkrockband „The Scandals“ hat nebenbei auch immer wieder Songs nur zur akustischen Gitarre komponiert und sie in seinem Zimmer als Demos aufgenommen, ohne jemals an eine Veröffentlichung zu denken. Da es im Laufe der Zeit immer mehr wurden, die Songs aber nicht zu seiner eher spaßorientierten Band passten, wie Hart im Laufe des Konzerts erzählt, habe er sich entschlossen, sie auf einem Soloalbum zu verewigen. „Past Lives & Passed Lines“ bringt er jetzt auf die Bühnen deutscher Clubs, bevor er die Tour Mitte Oktober in den USA fortsetzt.

Seine Songs tragen immer noch eine Portion Punk in sich, gehen aber auch eine Liaison mit Folk und Country ein. In den Liedern geht es um die Dinge, über die Menschen sich Gedanken machen, um das, was sie im Laufe des Lebens verlieren und wie es danach weitergehen kann. Jared sieht seine Songs wie eine Momentaufnahme, ein Polaroid aus einer bestimmten Zeit. Sind auf dem Album noch Instrumente wie Mundharmonika, Klavier, Schlagzeug und Backgroundchöre zu hören, so reduziert er die Songs auf der Tour nun auf das Wesentliche, nämlich seine markant raue Stimme zur akustischen Gitarre.

Hart wirkt sehr aufgeräumt, als er die Bühne des gut gefüllten Nörgelbuffs betritt und mit gewaltigem Organ „All Nighters“ anstimmt. Unüberhörbar sitzt im Publikum eine große Fangemeinde. Er scherzt mit ihm schon bekannten Gesichtern und bezieht sich dabei auf vergangene Shows. Einige der Fans haben ihn offensichtlich begleitet und sind teilweise von weit her angereist. Bei einem der vergangenen Auftritte sei das Publikum in einer sehr merkwürdigen Location in der Mehrzahl eher mit den Getränkebestellungen beschäftigt gewesen, als seiner Musik Aufmerksamkeit zu schenken, so Hart. Kurioserweise hätten sie dann nach dem Konzert ganz viele CDs und anderes Material gekauft.

Hart fühlt sich sichtlich wohl in der Kelleratmosphäre. „This is one of my favourite Shows“, erklärt er glaubwürdig. Zwischendurch wird ihm ein Drink gereicht, den er mit der humorigen Bemerkung „I never can take just one“ begleitet. Den Backgroundgesang von dem Album darf ein ums andere Mal das Publikum übernehmen, das sich als extrem textsicher zeigt. Verträumt singen manche Besucher anscheinend die kompletten Texte mit.

Erstmals sei sein Cousin Sean mit auf Tour, erzählt Hart. Er kümmere sich um den Verkaufsstand und brauche wohl dringend etwas Schlaf. Ihm widmet er den etwas ruhigeren Song „Basements“. All seine sehr eindringlichen Songs trägt Hart mit großer Inbrunst vor, getragen von dieser mitreißenden Stimme. In den intimen Momenten zieht er sich kurzzeitig mit seiner Gitarre und geschlossenen Augen weg vom Mikrofon in den hinteren Teil der Bühne zurück.

„Head Or Tails“ hat etwas Hymnisches und die Fans sind für einen immer wiederkehrenden „Oh, oh, oh-Chor“ gefragt. Und dann gibt Hart mit „The Times They Are Changing“ im letzten Lied auf beeindruckende Art den Dylan. Mit einer letzten Zugabe verabschiedet sich ein sympathisch publikumsnaher Künstler von durchweg begeisterten Besuchern, die dann noch für großen Andrang am Stand sorgen.

Von Jörg Linnhoff

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