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Jedes vierte Kind wird Ziel einer Mobbing-Attacke

Kinder- und Jugendbuchwoche Jedes vierte Kind wird Ziel einer Mobbing-Attacke

Mobbing, das ist der Krieg unserer Schüler in Deutschland.“ Dieser Satz einer Lehrerin hat Ruth Cornelie Hildebrandt, Organisatorin der 41. Göttinger Kinder- und Jugendbuchwoche der Gewerkschaft Erizehung und Wissenschaft veranlasst, eine Diskussionsrunde zum Thema „Mobbing“ ins Programm zu nehmen.

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Suchen eine Lösung: Autorin Brigitte Blobel, THG-Schüler Sebastian Rodrigues, Angela Brünjes, Mediatorin Ariane Brena, Christine Schrader vom Kinder- und Jugendtelefon und Margret Reinecke (von links).

Quelle: Theodoro da Silva

Jugendbuchautorin und Mobbing-Expertin Brigitte Blobel, Polizei-Hautkommissarin Margret Reinecke, Christina Schrader vom Kinder- und Jugendtelefon, die Mediatorin Ariane Brena und Sebastian Rodrigues, Schüler am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG), sprachen am Dienstag im Literarischen Zentrum mit Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes über die Situation an den Schulen und die Möglichkeiten, Mobbing zu stoppen.

Brigitte Blobel bot mit einer Lesung aus ihrem Roman „Böses Spiel“ ein bedrückendes Fallbeispiel: Eine ehrgeizige und gute Schülerin wird von ihren Mitschülern drangsaliert, weil sie besser ist als alle anderen. Die Mitschüler fühlen sich allerdings als etwas Besseres, sie kommen alle aus gut situierten Familien. Die Mutter des Mädchens ist „nur“ eine Putzfrau. Sie wollte dem Klischee entkommen, dass immer nur die Plumpen, Dicken oder Dummen die Opfer seien, sagt Blobel, als sie die bedrückende Passage vorgelesen hat. THG-Schüler Sebastian Rodrigues hat an seiner Schule bereits einige Mobbingfälle erlebt. Er habe die Erfahrung gemacht, dass meist das Aussehen, der Charakter und wie man sich im Gespräch verhält, entscheidend sei, ob man zum Opfer wird.

Jeder kann Opfer werden

Laut Ariane Brena wird jedes vierte Kind zwischen acht und 18 Jahren während seiner Schulzeit mindestens einmal zur Zielscheibe einer Mobbing­attacke. Es könne jeder zum Opfer werden. Brena geht davon aus, dass alle in der Klasse an einem Angriff beteiligt sind, als Betroffene, Federführer oder Zuschauer. Die Mediatorin berät Lehrer, wie sie Mobbing stoppen können. Ihre Lösung: der so genannte „No Blame Approach“ (wörtlich: Ohne-Schuld-Ansatz). Die Wirksamkeit des Ansatzes liegt darin begründet, dass trotz der schwerwiegenden Problematik vollständig auf Schuldzuweisungen und Strafen verzichtet werde. Vielmehr werden die am Mobbing beteiligten Schüler als Helferexperten zur Problemlösung herangezogen. Ihnen werde gesagt, dass der Betroffene Schüler nicht mehr gern zur Schule kommt, ohne zu erläutern warum. Die Gruppe soll sich Gedanken machen, wie er wieder motiviert werden könnte. Dazu sei auch Mitgefühl nötig. Zu 87 Prozent sei diese Vorgehensweise erfolgreich, berichtet Brena.

Die Methode wurde auch im Plenum heftig diskutiert. Einige Lehrer haben sie bereits erfolgreich eingesetzt. Andere Lehrer und Schüler plädierten genau wie Buchautorin Blobel eher für einen Schul- oder Klassenwechsel.

Gefahren im Internet

Noch vor eventuellen Mobbingangriffen versucht Hauptkommissarin Margret Reinecke einzugreifen. Sie geht mit einem Präventionsprogramm in die Klassen. Besonders auf die Gefahren im Internet macht sie aufmerksam. Das so genannte Cyber-Mobbing in Chat-Foren sei derzeit ein wichtiges Thema. „Aber so richtig krasse Fälle haben wir in Göttingen und der Region dann doch nicht“, sagt Reinecke.

Sebastian Rodriguez war nach der zweistündigen Debatte verblüfft, wieviel System hinter der Prävention und dem Stoppen von Mobbing stecke. Das sei ein aufbauendes Gefühl.

Heute ist die Jugendbuchwoche in Hann. Münden zu Gast. Marjaleena Lembcke liest um 16 Uhr in der Aula der Schule am Botanischen Garten, Böttcherstraße 7.

Von Eida Koheil

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