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John Burnside zieht alle in seinen Bann

Literarisches Zentrum John Burnside zieht alle in seinen Bann

Die Liebe auf den ersten Blick, die kenne er nur, wenn es um Landschaften gehe. In seinem neuen überaus vielschichtigen Roman „In hellen Sommernächten“ („A Summer of Drowning“) huldigt der schottische Lyriker und Prosaist John Burnside, der 2009 schon einmal ibeim  Literaturherbst zu Gast in Göttingen war, die norwegische Insel Kvaløya nahe des Polarkreises.

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Vergnügt mit neuem Buch im Literarischen Zentrum: der schottische Schriftsteller John Burnside.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. In der fast zweistündigen, zweisprachigen Lesung (auf deutsch: Christian Dinger) im Literarischen Zentrum Göttingen und im überwiegend englischen Gespräch mit Ralf Haekel erzählt Burnside überschwänglich, dass er, sobald er diese Insel zum ersten Mal betreten habe, sogleich dort leben wollte, so überwältigt sei er von ihrer Schönheit gewesen.

Gleich darauf verleiht er seinem ökologischen Bewusstsein Ausdruck: „Wir müssen jeden magischen Zentimeter der Erde feiern, denn es ist nicht mehr viel übrig.“ Dem trägt er in seinem neuesten Roman in großem Stil Rechnung und bietet geradezu verschwenderisch schöne Naturbeobachtungen.

Das raue, einsame Setting, das sich dem Leser in einzigartig dichter, poetischer Sprache entfaltet, verzaubert und verstört zu gleichen Teilen, denn vor dem Hintergrund der hellen Sommernächte lässt Burnside seine Ich-Erzählerin Liv die dunklen Seiten des Lebens erkunden. Im zeitlichen Abstand von zehn Jahren vergegenwärtigt sie sich ungeklärte Geschehnisse auf der Insel.

Dort lebt sie mit Ihrer Mutter, der Malerin Angelika, und dort ertrinken zuerst die jungen Brüder Mats und Harald, kurz darauf verschwinden zwei weitere Männer und Liv meint, die Täterin zu kennen. Doch sie traut sich selbst nicht, stellt Behauptungen auf, nimmt sie wieder zurück. So verschwimmen Realität und Illusion bis zur Unkenntlichkeit, und Liv erweist sich als unzuverlässige Erzählinstanz.

Burnside hat ein faszinierendes Werk geschaffen, das diverse Lesearten zulässt und Zeit in Anspruch nimmt um seine Wirkung voll zu entfalten. Auch den vielfach ausgezeichneten Autor beschäftigte der Roman länger als sonst üblich: Zehn Jahre habe er für „In hellen Sommernächten“ gebraucht, so Burnside. Normalerweise brauche er für einen Roman nur drei bis vier Jahre. Offenherzig und ausgelassen gestikulierend gibt er Einblicke in sein Leben als Künstler, in dem seine Kunst, das Schreiben, immer an erster Stelle stehe, „ aber du kommst sofort an zweiter Stelle“, habe er seiner Frau zu Beginn der Beziehung eröffnet. Manche Opfer sind eben nicht umsonst.

Von Marie Varela

John Burnside: „In hellen Sommernächten“, Albrecht-Knaus-Verlag, 384 Seiten, 19,99 Euro.

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