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Joo Kraus und Band begeistern in der Musa

Göttinger Jazzfestival Joo Kraus und Band begeistern in der Musa

In die Wiege gelegt wurde ihm die Trompete nicht. Aber sein Vater brachte ihm früh erste Griffe bei. Inzwischen gehört Joo Kraus zu den renommiertesten Jazz-Trompetern der Szene. „JooJazz“ heißt sein aktuelles Album, das er im Rahmen des Jazzfestivals in der Musa vorstellte.

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Begeisterte mit stiloffenem Jazz ganz eigener, moderner Prägung: Der Trompeter Joo Kraus

Quelle: Jörg Linnhoff

Göttingen. Mit 19 Jahren gewann er den ersten Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. 2003 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum „Public Jazz Lounge“. Bei dem gebürtigen Ulmer Joo Kraus stand das sinnliche Vergnügen schon immer im Vordergrund. Dabei wildert er für seine in keine Schubladen passende Musik in Genres wie Soul, Funk, Pop, Latin, HipHop und TripHop.

Kraus ist ein wahres Chamäleon des Jazz auf der Suche nach immer neuen Farbkreationen. Auch sein aktuelles Album „JooJazz“ ist ein wilder Mix aus Eigenkompositionen und neuen Sounds, beruhend auf spontanen Einfällen, die zu einem stiloffenen Jazz ganz eigener, moderner Prägung werden.

Kraus war Mitglied der legendären Krautrock-Band Kraan, Teil des Hip-Hop-Duos Tab Two mit Hellmut Hattler, hat in Bands wie DePhazz, Jazzkantine oder Soulounge mitgemischt und war Sideman namhafter Künstler wie Pee Wee Ellis oder Omar Sosa.

Lieblingsband

Mit Keyboarder Ralf Schmid, Bassist Veit Hübner und Drummer Torsten Krill hat Kraus nach eigener Aussage seine Lieblingsband um sich versammelt, mit der er sich nach zwölf gemeinsamen Jahren quasi blind versteht und die ihm auch in der Musa zur Seite steht.

„This is how we do it“ gibt gleich zu Beginn die Linie vor, auf der sie sich bewegen. Da blitzt eine Prise Funk und auch Swing durch, Kraus rappt über das Mikrofon seiner Trompete oder jagt seine Stimme zur Verfremdung durch einen Vocoder. Das Stück schaukelt sich zurecht und die Band jazzt sich ein. Im mächtig losmarschierenden „Hitbag!“ klingt die Melodie von „On Broadway“ kurz durch. Das Stück handelt von einem Typ, der niemals zurückschlagen würde, auch wenn er blutend am Boden liegt, so Kraus. Er sei lange nicht mehr in Göttingen gewesen und sehe Göttingen im Moment nur hin und wieder im Basketball, wenn sie in seiner Heimatstadt Ulm spielen. „Spoken words“ und Pfeifen begleiten die schunkelige Ballade „1815“ und in „Awesome baby“ wird ordentlich gerappt.

Quelle: Jörg Linnhoff

Hits wie „Sledgehammer“ von Peter Gabriel werden fast bis zur Unkenntlichkeit neu verkleidet. Sades „Smooth Operator“ von ihrem Album „Diamond Life“, in dessen Cover sich Kraus nach eigener Aussage mit sechzehn Jahren total verliebt hat, legen sie ein Hip-Hop Gewand an, mit viel Raum für kleine instrumentale Ausflüge von Bass und Trompete und sehr verspieltem Ende.

Beeindruckend frischer Auftritt

Michael Jackson und seinen Kompositionen haben sie ein ganzes Tribute Album gewidmet. Bei der Vorstellung des Albums im „A-Trane“ in Berlin stieß Kraus nach eigener Aussage in Bernd auf einen Besucher, der alle seine Ansagen aus dem Publikum heraus besserwisserisch korrigierte. Kraus begegnete dem Vorfall mit der Erkenntnis, das jede Beschwerde auch ein Geschenk sei. Jacksons Song „Heal the world“ bringen sie in einer „kleinen Lagerfeuerversion“ mit wunderbarer Fender Rhodes Einlage von Schmid. Und mit einer furiosen, sehr groovigen Version von Jacksons „Black or white“ endet auch unter lautem Beifall ihr beeindruckend frischer Auftritt, der ein Zeichen setzte, wie der Jazz auf höchst unterhaltsame und auch tanzbare Weise in die Jetztzeit überführt werden kann.

Denjenigen, für die der Begriff „Jazz“ immer noch mit einem „Zutritt verboten Schild“ verbunden ist, sei ein Konzert mit Kraus und seiner Band wärmstens empfohlen.

Von Jörg Linnhoff

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