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Judith Hermann stellt ihr neues Buch „Alice“ vor

Lesung Judith Hermann stellt ihr neues Buch „Alice“ vor

Der schlauchartige Raum des Literarischen Zentrums in Göttingen ist voller Menschen. Rund 100 sind gekommen, um Judith Hermann zuzuhören, die ihr neues Buch vorstellt. Seit „Sommerhaus, später“ (1998), ihrem ersten Buch, hat die Berliner Autorin eine feste Fangemeinde. Florian Illies ernannte sie in seinem Buch „Generation Golf“ (2000)sogar zur Stimme ebendieser.

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Erzählt von der Entstehungsgeschichte ihres Buches „Alice“: Judith Hermann.

Quelle: Vetter

Nun hat sie, sechs Jahre nach ihrem zweiten Buch „Nichts als Gespenster“ (2003), ein neues veröffentlicht: „Alice“. Hermann liest das zweite Kapitel vor: Richard. Protagonistin Alice wird mit dem Tod von alten, guten und intimen Freunden konfrontiert. Jedes Kapitel des Buchs trägt den Namen des Mannes, der stirbt: Micha, Conrad, Richard, Malte und zuletzt Alices Lebensgefährte Raymond. Das klingt traurig, und es ist auch traurig.

Akribische Beschreibungen

Hermann liest konzentriert, ihre Stimme wechselt die Lage kaum, selten blickt sie von ihrem schon etwas abgewetzten Buchexemplar hoch. Und es gelingt ihr mit ihrer Sprache, die Trauer und Tragik hinter den akribischen Beschreibungen der alltäglichen Dinge, die Alice wahrnimmt, zu verstecken. Von Tränen oder Hysterie im Angesicht des Verlustes eines geliebten Menschen ist nie die Rede. „Alice weinen zu lassen hätte sie ausgestellt. Und das wollte ich auf keinen Fall“, erklärt Hermann selbst ihre Beschränkung auf die Außenansicht der Prot­agonistin.

Beim Gespräch mit Moderator Gerhard Kaiser ist sie konzentriert und expressiv in ihrer Gestik und Mimik. Scheint ihr eine Interpretation des Literaturwissenschaftlers nicht zu gefallen, sagt sie nur: „Wie interessant“, lächelt dabei spöttisch und hebt die Augenbraue.

Kleine Dinge, die bleiben

„Das ist kein Buch über den Tod, sondern über den Umgang der Zurückgebliebenen mit ihm“, betont sie. Und Trost, so Hermann, finden Alice und die Hinterbliebenen in den kleinen Dingen des Alltags, den kleinen Dingen, die bleiben. Wie die Bücher von Richard oder die Brille von Raymond.

Die sechs Jahre Zwischenzeit zum vorherigen Buch erklärt sie so: Vier Jahre nach dem letzten Buch hat sie noch geraucht. Als sie dann damit aufhörte, merkte sie, dass der bis dato entstandene Text nicht mehr „passte“. „Alice“ schrieb sie, ohne zu rauchen. „Ich musste ausprobieren, ob ich ohne Zigaretten noch schreiben kann. Hätte es nicht geklappt, hätte ich wohl wieder angefangen“, sagt sie. Doch bis jetzt habe sie nicht wieder zu einer Zigarette gegriffen.

Von Corinna Berghahn

Judith Hermann: Alice. S. Fischer Verlag, 192 Seiten, 18,95 Euro.

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