Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Jugendliches Ungestüm
Nachrichten Kultur Regional Jugendliches Ungestüm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 01.05.2017
Ungestüme Wiener Klassik mit dem GSO. Quelle: Harals Wenzel
Anzeige
Göttingen

Den drei Komponisten war ihre Nähe zu Beethoven gemeinsam, sowohl zeitlich als auch geografisch. Alle wirkten in Wien und waren zu ihrer Zeit sehr angesehene Musiker. Sie hatten nur das Pech, später in den Schatten ihrer berühmteren Kollegen zu geraten.

Der 64-jährige Gastdirigent Reinhard Goebel, Gründer der Musica Antiqua Köln, zeigte gleich in der „Follia di Spagna“ von Joseph von Eybler, dass er beileibe kein betulicher Antiquar ist, sondern im Nu jeglichen Archivstaub von alten Partituren fortbläst. Und zwar mit einem jugendlichen Ungestüm, das mancher jüngere Dirigent in seiner Karriere schon längst abgelegt hat. Ein Forte darf bei ihm durchaus ein wenig knallig ausfallen, die Tempi nimmt er stürmisch und fordert dabei die Virtuosität der Orchestermusiker aufs Äußerste.

Ein Kompliment haben vor allem die hurtigen Holzbläser verdient, aber auch die Solostreicher, die in diesem abwechslungsreichen Variationswerk mit nicht minder kniffligen Aufgaben betraut sind.Ein gewichtiges Werk folgte: das zweite Violinkonzert in d-Moll von Franz Clement. Dieser Geiger und Dirigent stand Beethoven nahe, er leitete etliche Uraufführungen Beethovenscher Werke und war außerdem im Jahre 1806 Widmungsträger und erster Solist von Beethovens D-Dur-Violinkonzert. Besonders der ausgedehnte Kopfsatz des Clement-Konzerts bewies hohe kompositorische Qualitäten, die in der fesselnden, dramaturgisch geschickten Verarbeitung der kontrastierenden Themen zutage treten. Der Solopart besitzt viele Passagen, in denen sich die Könnerschaft des Solisten präsentieren kann. Das nutzte die virtuose Geigerin Mirijam Contzen souverän und nahm mit ihrem kraftvollen, dynamischen Spiel das Publikum für sich ein.

Zarenhochzeit

Nicht minder furios war der Ausklang dieses bemerkenswerten Abends. Zu hören war die Symphonie D-Dur von Paul Wranitzky, einem Geburtsjahrgangs-Kollegen von Mozart. Anlass dieser Symphonie war, wie Moderatorin Dorothea Schröder in ihrer kenntnisreichen Einführung berichtete, die Hochzeit des habsburgischen Erzherzogs Joseph mit der russischen Zarentochter Alexandra Pawlowna. Viel von der juwelengeschmückten Pracht dieser Hochadels-Hochzeit ist in die musikalisch geradezu verschwenderisch ausgestattete, hochelegante Musik der Symphonie eingeflossen. Die GSO-Musiker sorgten unter Goebels feurigem Dirigat für leichtfüßige tänzerische Rhythmen und klanglichen Prunk. So endete der Abend in ausgesprochen festlicher Stimmung mit lang anhaltendem, begeistertem Beifall.

Nächster GSO-Termin: Familienkonzert „Wer hat Angst vor Mr. Werwolf?“ am Sonntag, 30. April, um 11.30 Uhr im Deutschen Theater.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige