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Regional Juliane Kann inszeniert „Tschick“ am Jungen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Juliane Kann inszeniert „Tschick“ am Jungen Theater Göttingen
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00:17 30.01.2013
Erkunden die Welt und das Leben: Tatjana (Elisabeth-Marie Leistikow), Maik (Sascha Werginz, Mitte) und Tschick (Gintas Jocius). Quelle: Eulig
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Dies ist das vielversprechend unheilbeladene Ausgangsszenario von Wolfgang Herrndorfs Jugendroman „Tschick“, der seit seinem Erscheinen 2010 mit Lob und Auszeichnungen überhäuft wurde. In der Bühnenfassung von Robert Koall feierte der Stoff nun Premiere im Jungen Theater.
„Ab 14“ steht auf den Plakaten, was schade ist.

Denn was Juliane Kann hier als ihre erste Produktion für das JT abgeliefert hat, ist nicht weniger als ein Meisterstück der kreativen und ökonomischen Inszenierung. Denn einen pubertären Roadtrip auf die Bühne zu bringen, ohne die Weite der Welt vortäuschen zu können oder ins Abstrakte hinein zu inszenieren, ist – und so sollte Theater einfach immer sein – eine Kunst.

Wer sich also beispielsweise zu vernünftig fühlt, Maiks Schwärmereien für die süße Tatjana zu verstehen, kann sich immer noch an der großen Regiearbeit, witzigen Dialogen und einer Schauspielkunst erfreuen, die einfach „superporno“ ist, um sich der Sprache Maiks zu bedienen.

Gintas Jocius verkörpert den russischen Spätaussiedler Tschick, der sich in neongelben Socken und Hawaiihemd durchs Leben schlunzt. Er wäre gern mehr als der Loser, den seine Klasse in ihm sieht, kann den finanziellen und sozialen Schranken seiner Herkunft aber nicht entfliehen.

Jocius versteht es, die jugendliche Zerrissenheit zwischen Selbstzweifel und Gangsterimage glaubhaft darzustellen, was auch auf Sascha Werginz als Maik zutrifft. Sein Charakter stammt zwar aus guten Verhältnissen, hat sich aufgrund seines zerrütteten Elternhauses aber auch noch nicht selbst finden können.

Elisabeth-Marie Leistikow gebührt ein besonderes Lob: Sie ist diejenige, die das Geschehen in immer wieder wechselnden Rollen zusammenhält. Ihre Wandlungsfähigkeit erstreckt sich dabei über eine kleine Göre bis hin zu einer Traum-Krankenschwester im Lederoverall, wie sie sich wohl nur Männer (und solche, die es werden wollen) vorstellen können.

Die Dialoge zwischen dem Dreiergespann sind nicht nur aufgrund von Herrndorfs Vorlage witzig, sondern entfalten auf der Bühne in ihrer geschickten Aufteilung und den wechselnden Erzählformen ihre eigene Form des Humors. Dass Maik zu Beginn ihrer Odyssee noch denkt, dass sich Walachei mit „Dingenskirchens“ übersetzen lässt, weist bereits darauf hin, dass die beiden Freunde ihr Ziel vermutlich nie erreichen werden – zumindest geographisch betrachtet.

Von Jonas Rohde

Weitere Vorstellungen im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, in Göttingen am 28. um 19 Uhr, am 29. Januar um 20 Uhr und Abend- und Schulvorstellungen im Februar. Kartentelefon 0551 /495015.

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