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Regional Jungen Theater Göttingen: „Romeo und Julia – Viel leicht anders“
Nachrichten Kultur Regional Jungen Theater Göttingen: „Romeo und Julia – Viel leicht anders“
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17:38 25.04.2014
Schamfrei: Darsteller aus dem Ausreißerclub im Jungen Theater. Quelle: Eulig
Göttingen

Stark modernisiert und mit einem Cocktail von shakespearianischen Charakteren erzählen die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren mit viel Elan eine Geschichte, die vor allem einen kritischen Blick auf die heutige Jugend wirft.

Facebook, Modefragen, Lästereien und Cliquenkriege dominieren in dieser dargestellten Welt. Auf der Bühne wird Vokabular benutzt, das pointiert aufzeigen soll, was für eine Generation da heranwächst: „Depri-Scheißer“ und „Fickt euch, ihr Wichser“ ist noch wenig dessen, was das Publikum zu hören bekommt.

Zu Recht kommentieren die „Ladies“ (David Fuchs, Rosa Stierling), die als Erzähler fungieren, diesen pubertären Umgang mit: „Das ist kein Kindergarten, das ist eine Krabbelgruppe“.

Unsterblich verliebt wie eh und je

Doch obwohl sich seit dem 16. Jahrhundert einiges verändert hat, bleiben die großen Gefühle, die uns Menschen umtreiben, erhalten. Romeo ist in der neuen Interpretation ebenso unsterblich in Julia verliebt, wie eh und je. Nur ist Romeo (Yonca Göcer) jetzt eine Frau.

Diese lesbische Notion stört Julia (Halya Pidstrigach) wenig, denn Schubladendenken verneint sie. Sie ist schließlich „ein Mensch und kein Stempel“. So kommt es, dass Romeo ein wahrer „womanizer“ bleibt, wie die anderen, lasziv um sie herumtanzend, hervorheben.

Der Tanz (Choreografie: Jennifer Helm, Yvonne Gebert, Jannis Witzel, Lara Erdmann) ist ein wichtiges Element in dieser Neufassung. Als Musical angelegt ist das ganze Stück, Schauplatz ist die „Musical School“ von Madame Diva (Yvonne Gebert).

Musik von Britney Spears

Dies sorgt dafür, dass Bewegungen á la Dita van Teese und Lady Gaga sowie Musik von Britney Spears ihren Platz finden. Schamfrei bewegen sich die Jugendlichen und verbreiten gekonnt Musikvideo-Atmosphäre. Eine wahre Shakespeare-Show bekommen die Zuschauer demnach präsentiert.  

Dabei mag es zunächst etwas befremdlich sein, dass Hamlet (Hannah Tullius) sich die essentiellen Fragen auf der Toilette stellt, König Richard III. (sehr überzeugend: Jannes Maßmeyer) einen „Ratgeber für Langzeitbeziehungen“ liest und Romeo, statt sich selbst zu töten, um ein Haar zum Amokläufer wird – doch auch wenn an einigen Stellen zu dick aufgetragen wurde, gibt es trotzdem noch dramatische Momente des Innehaltens, wie bei einer Tragödie üblich.

Weitere Vorstellungen: am 5. und am 15. Mai um 19 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15

Von Sarah Lodder

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