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Junges Schauspiel präsentiert „Kassandra – ein Monolog“

Premiere im Deutschen Theater Junges Schauspiel präsentiert „Kassandra – ein Monolog“

Christa Wolf hat ihre Erzählung „Kassandra – ein Monolog“ zu Beginn der 1980er Jahre geschrieben. Sie gilt als eine der wenigen und klügsten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Staat, in dem Wolf aufwuchs, der DDR. Dort erschien das Werk, nahezu zeitgleich auch in der BRD. Heute steht es auf dem Lehrplan der Oberstufenschüler – und auf dem Spielplan des Jungen Schauspiels im Deutschen Theater (DT) Göttingen.

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Solo für eine Schauspielerin: Imme Beccard als Kassandra.

Quelle: Opitz

Jetzt hatte die Produktion in der Regie von Johannes Nehlsen und irgendwie auch von Christopher Weiß, beide ehemals DT-Ensemblemitglieder, Premiere auf der Studiobühne. Die Stückfassung erarbeitete Nehlsen, die Autorin autorisierte sie.

Imme Beccard spielt die Seherin Kassandra, die Titel- und zugleich einzige Figur des Stückes ist. Mehr als 25 Seiten Text musste sie dafür lernen, allein schon eine Mammutaufgabe. Denn es sind keine schlichten Sätze, die Wolf geschrieben hat.


Kassandra ist gesegnet mit der Gabe, in die Zukunft sehen zu können, geschlagen aber mit dem Fluch, dass niemand ihr glaubt. Alle um sie herum laufen offenen Auges ins Verderben. Am Rande ihres eigenen Todes blickt sie nicht nur zurück auf ihr Leben, sie reflektiert es, diesmal nicht nur hell-, sondern auch klarsichtig. Deutlich wird: Kassandra ist unweigerlich verwoben mit den Herrschenden, die beispielsweise über Kriege selbstherrlich entscheiden und die Frauen von der Entscheiderebene verdrängen. Doch erst die Klarheit über diese Abhängigkeiten ermöglicht Kassandra das Finden der eigenen Position und eine Distanz zu den Vorgängen.

Dass Wolf hier einerseits feministisch Position bezieht, andererseits kritisch mit den DDR-Führungskadern ins Gericht geht, liegt auf der Hand. Dass sie in dem sozialistisch-diktatorischen Staat damit ungeschoren davon kam, ja dass das Buch sogar in Deutschlands Osten veröffentlicht wurde, ist kaum nachvollziehbar und mag der verbrämenden Verortung in der griechischen Mythologie geschuldet sein.

Beccard spielt Kassandra mit Intensität. Sie zeigt die Klugheit der Frau, lässt Loyalität und die Ausweglosigkeit ihrer Lage deutlich werden. Sie zeigt Zorn, wenn sie den Vater sprechen lässt und erinnert sich immer wieder voll milder Liebe. So jemand flieht nicht, so jemand argumentiert und versucht, Einfluss zu nehmen. Kassandra ist integer und deswegen glaubwürdig.

Im Programmzettel ist Christopher Weiß als Ausstatter angegeben, der Beccard einzig eine schwere Bretterkiste an die Seite stellt. Die Vorgabe war, ein mobiles Stück auszustatten. Im Gespräch allerdings bestätigen Nehlsen und Weiß, dass sie eher im Kollektiv inszenierten getreu Weiß’ Devise: „Die beste Idee gewinnt.“ Das hat gut funktioniert.

Weitere Vorstellungen: 17. und 25. Februar sowie am 11., 18. und 24. März um 20 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

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