Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Junges Theater: Andreas Döring inszeniert „Darüber reden“

Premiere Junges Theater: Andreas Döring inszeniert „Darüber reden“

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Dabei geht es doch in dem Roman „Darüber reden“ von Julian Barnes eigentlich um eine kernige Männerfreundschaft, eine von jenen Beziehungen, die spätestens, wirklich allerspätestens in der Schule beginnen und bis ans Lebensende halten.

Voriger Artikel
„Before the Show“ in Göttinger Bar Pools
Nächster Artikel
Göttinger Butoh-Tänzer Tadashi Endo im Deutschen Theater

Ehemals beste Freunde: Oliver (Philip Leenders, links) und Stuart (Jan Reinartz).

Quelle: Eulig

Mit Höhen und Tiefen, versteht sich, aber als Konstante im Leben. Egal, wie viele Frauen den Weg der Kumpel kreuzen. Bei Barnes heißen die beiden Oliver und Stuart, und ihre Männerfreundschaft hat mächtig gelitten. Es geht – natürlich – um eine Frau. Intendant Andreas Döring hat eine Bühnenfassung des Stoffes von Franziska Steiof im Jungen Theater (JT) Göttingen inszeniert.

Premiere war im Restaurant Planea neben der Sternwarte. Künftig soll das Stück auch in der JT-Bar am Wochenmarktplatz aufgeführt werden.

Eigentlich passen Stuart und Oliver nicht so richtig zusammen. Stuart ist der Langweiler, der Mittelmäßige, der nicht an die Universität ging, sondern eine Ausbildung bei einer Bank absolvierte. Früh wurde ihm klar gemacht, dass er nie etwas anderes sein wird als Durchschnitt. „Das stört mich nicht“, sagt Stuart.

Eine Männerfreundschaft kann vieles verkraften

Oliver hingegen ist der charmante Aufschneider, der eloquente Partykönig, der hyperaktive Hallodri. Dann lernt Stuart Gillian kennen. Sie ist schön, intelligent und kreativ – und verliebt sich tatsächlich in Stuart. Sie heiraten, und Oliver ist fassungslos. Er will Gillian und startet einen Eroberungsfeldzug.

Er spannt seinem besten Freund die Frau aus. Eine Männerfreundschaft kann vieles verkraften, doch keinesfalls ein Quertreiben in Liebesangelegenheiten. Da werden aus Freunden Feinde.

Das alles ist längst geschehen, als die Inszenierung einsetzt. Eigentlich geht es auch kaum noch darum, die Männerfreundschaft zu kitten, auch wenn Oliver das versucht. Es geht darum, Recht zu bekommen, möglichst viele Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. So hat Regisseur Döring den Plot aufgegriffen.

Beeindruckend eloquent

Selten sprechen die Kontrahenten miteinander, beide wenden sich an das Publikum. Sie schildern ihre Sicht der Dinge und hoffen auf Verständnis. Jan Reinartz ist der eher dröge Stuart,  der nicht argumentieren muss, sondern bloß entrüstet sein kann. Er genehmigt sich erst gegen Ende einen tatsächlich erlösenden Spaß.

Philip Leenders ist als Oliver ein bisschen ekelig mit seinem offenen Hemd, der schweren Goldkette und dieser jovialen Gestik. Aber er ist auch beeindruckend eloquent (was natürlich auch an dem teilweise brillanten Text liegt), einnehmend und unterhaltsam. Und Gitarre spielen und singen kann er auch noch.

So entwickelt sich über gut 75 Minuten eine szenische Aufführung, die bestimmt als Hörspiel funktionierte, als leichter Theaterabend mit überschaubarem Publikum und ein wenig Gastronomie aber auch.

Weitere Vorstellungen:

  • am Sonnabend, 26. Januar
  •  am 29. und 31. Januar
  • am 5., 7., 15., 21., 26. und 28. Februar

in der JT-Bar, Hospitalstraße 6,

  • am 21. März
  • 20. Juni

im Restaurant Planea, Geismarlandstraße.

Kartentelefon: 0551/495015.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Neuer Vertrag

Andreas Döring, Intendant des Jungen Theaters (JT) Göttingen, wechselt nach Celle. Er übernimmt die Leitung des dortigen Schlosstheaters. Das hat der Kreisausschuss in Celle als letztes zuständiges Gremium am Freitagvormittag beschlossen. Sein Vertrag startet mit Beginn der Spielzeit 2014/15.

mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag