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Erinnerung an Barbara und Göttingen

Uraufführung im Jungen Theater Erinnerung an Barbara und Göttingen

Mit minutenlangem Applaus hat das Premierenpublikum die Inszenierung „Barbara. Gegen das Vergessen“ im Jungen Theater am Sonnabend gefeiert. Das von Peter Christoph Grünberg geschriebene Stück erinnert an die französische Chansonsängerin Barbara, die das Lied „Göttingen“ schrieb.

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JT-Inszenierung „Barbara. Gegen das Vergessen“ mit Steffen Ramswig (Pianist) und Katharina Brehl (Barbara).

Quelle: r

Göttingen. Im Oktober 1967 gab die französische Chansonsängerin ein Konzert in der Stadthalle Göttingen. Da war ihr Lied „Göttingen“ schon eines ihrer bekanntesten, das bis heute als eine Hymne der Völkerverständigung gilt. Im Jungen Theater werden die Aufführungen von „Barbara. Gegen das Vergessen“ an die Sängerin erinnern: Am Sonnabend hatte das Stück von Peter Christoph Grünberg Premiere.

Zufälle gibt’s. In Paris trafen sich zufällig Hans-Gunther Klein und Barbara, in Göttingen trat die Sängerin bald danach im Sommer 1964 auf und ließ sich zu ihrem Lied „Göttingen“ inspirieren. Ebenfalls zufällig trifft der französische Star viele Jahre später im Hotel einen jungen Mann aus Deutschland: David aus Göttingen. So beginnt die theatralische Retrospektive des Lebens von Barbara. Die stellt Katharina Brehl zerbrechlich und dominant, verletzlich und verletzend dar. Ihr gelingt federleicht die von guten Lebenserinnerungen erfüllte ebenso wie von schlechten gepeinigte Frau zu geben. Und dazu singt sie auch einige der Chansons der bekannten Sängerin, die 1930 als Monique Andrée Serf in Paris geboren wurde und 1997 starb.

Phänomen Barbara

Das Schauspiel mit Live-Musik hat Peter Christoph Grünberg geschrieben und inszeniert. Er verband dabei Erinnerungen der Hauptperson und von Weggefährten mit realen Ereignissen und auch fiktiven. Es sollte ein Spiel mit den Geschichten, die sich um das Phänomen Barbara ranken werden, erklärte er die Intention bei der Vorstellung des Stücks gegenüber dem Tageblatt.

Doch die Inszenierung kommt damit nicht gleich auf Touren. Manche Szene zieht sich zäh: Wenn es daran liegen sollte, dass die Pariser Intellektuellen, die wie Barbara meist schwarz gekleidet waren, auch dafür stehen, im Leben viel Zeit gehabt zu haben, dann ist das heute eine ermüdende Angelegenheit.

Katharina Brehl als Barbara und Karsten Zinser als junger Mann

Katharina Brehl als Barbara und Karsten Zinser als junger Mann.

Katharina Brehl und Karsten Zinser sind ein wunderbares Zufallspaar. Schlaksig und unsicher der junge Mann aus Göttingen, mondän und unsicher die Pariser Sängerin. So begegnen sie sich und kommen sich näher und näher. Dass dabei vieles wie zufällig zur Sprache kommt, erklärt wiederum viel: Lebensbrüche, Kriegserfahrungen, Starallüren, Feind- und Freundschaften. Und immer wieder geht es auch um Göttingen. Dabei steht das Junge Theater, das 1964 noch in der Geismar Landstraße 19 sein Domizil hatte und gerade sieben Jahre alt war, im Mittelpunkt mit seinem Gründer und „Scheff“ Hans-Gunther Klein (1931-1982). Diesen und einige andere Weggefährten stellt wandlungsfähig Jan Reinartz dar.

Chansons von Barbara und Bodo Wartke

Für die Live-Musik zum Schauspiel sorgt Steffen Ramswig als musikalischer Leiter und als Pianist in dem Schauspiel Der Mann am Klavier begleitet Brehl, die die schwierige Aufgabe bestens meistert, Barbara-Chansons zu singen, ebenso wie Zinser, der beeindruckend Bodo Wartkes „Nicht in meinem Namen“ singt. Das ist ein überraschender und gelungener Stilbruch, der den Bogen in die Gegenwart schlägt.

Der Abend der Erinnerung an Barbara und gegen das Vergessen könnte zeitweise temporeicher vergehen. Ihm gelingt aber, Zeitkolorit einzufangen (was die minimalistische und in Schwarz gehaltene Ausstattung von Judith Maler noch betont). Dass es nicht mehr Göttinger Lokalkolorit gab, ist ein Aspekt, der eher mit der Erwartungshaltung aus Göttinger Sicht einhergeht. Das Publikum der Premiere zeigte sich begeistert und applaudierte minutenlang und besonders den Schauspielern Katharina Brehl und Karsten Zinser.

„Barbara. Gegen das Vergessen“: Weitere Vorstellungen im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, um 20 Uhr am 22., 24. und 28. Oktober sowie am 10. und 24. November. Eintrittskarten sind in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich.

Die Memoiren: „Barbara. Es war einmal ein schwarzes Klavier...“

Die französische Chansonsängerin Barbara entschied sich im Frühjahr 1997, ihre Memoiren zu schreiben. Sie blieben unvollendet, weil sie am 24. November 1997 starb. Was sie niedergeschrieben hatte, wurde von ihren Geschwistern verwahrt bis 2008. In dem Jahr wurden Barbaras Lebenserinnerungen in Frankreich veröffentlicht. Im Jahr ihres 20. Todestages ist das Buch nun im Göttinger Wallstein Verlag unter dem Titel „Barbara. Es war einmal ein schwarzes Klavier...“ (200 Seiten, 18,90 Euro) erschienen. Für die Arbeiten an der Inszenierung „Barbara. Gegen das Vergessen“ konnte das Junge Theater die von Andrea Knigge herausgegebenen und von Annette Casasus übersetzten Memoiren bereits nutzen, berichtete JT-Intendant Nico Dietrich nach der Premiere.

Von Angela Brünjes

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