Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Von Brexit bis Weltuntergang
Nachrichten Kultur Regional Von Brexit bis Weltuntergang
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 18.12.2016
Bernd Gieseking Quelle: Christina Hinzmann
Anzeige
Göttingen

„2016 ist das Jahr der kleinen Schurken. Putin, Trump, Erdogan … Söder“, scherzt Gieseking und legt gleich nach. Richtige Schurken müssten richtig was auf dem Kerbholz haben, so wie Mario Adorf einst als Santer in Winnetou. Und dass jetzt eine Neuverfilmung zu Weihnachten ins Fernsehen komme, obwohl Pierre Brice noch kein Jahr tot ist – „das ist ᾽ne richtige Schurkerei.“
Die Themen wechseln fließend, und der 58-Jährige stellt seine Feststellungen und Gedanken immer wieder gekonnt und gewohnt unterhaltsam in neue und oft überraschende Zusammenhänge. Während viele sich bei Schlagworten wie Brexit, CETA, TTIP und Rechtsruck in Europa dem Weltuntergang nah wähnten, findet Gieseking das Jahr trotz aller Irritationen fantastisch.
Ein Grund zur Freude: „Angela macht weiter.“ Schlechte Umfragewerte, Parteifreunde, die ihr in den Rücken fallen und ein unmenschlicher Druck. Gut, dass Merkel Physikerin sei: „Sie kann Widerstände ausrechnen.“ Komisch wird es mit Joachim Sauers fiktivem Tagebuch. Der schräge private Blick auf die Kanzlerin sorgt für viel Heiterkeit.
Der Politik widmet sich der Dortmunder eingehend. Die Verfehlungen der SPD-Abgeordneten Petra Hinz als „Felicitas Krull“ des Bundestages, Volker Becks Drogenmissbrauch und die AfD, die „zu fast allem etwas gesagt hat“, sind Gegenstand satirischer Kommentare. Und mit Blick auf den künftigen Bundespräsidenten Steinmeier fragt der Kabarettist, ob man wohl mit nur einer Niere das höchste Amt ausüben kann. Ja, lautet die Antwort. Denn US-Präsident könne man inzwischen sogar ohne Gehirn werden.
Satiriker Jan Böhmermann ist für Gieseking der Mann des Jahres. Und Donald Trump nimmt er natürlich auch ins Visier. Beißhemmung zeigt der Ostwestfale allerdings angesichts von Flüchtlingen, Terroranschlägen und Syrienkrieg: „Es gibt auch Themen, die sich Satire entziehen“, bezieht er klar Position.
Die kurzweilige Mischung aus Fakten und Absurditäten, Satire und Nonsens, Kommentaren, Komik und nachdenklichen Momenten stimmt wie immer. Rasant, spitzfindig und geistreich zeigt sich der Kabarettist als scharfer und sensibler Beobachter. Große Ereignisse treffen auf Privates wie schräge Anekdoten aus der Kölner Stammkneipe Fischlounge, Zitate und Zahlen auf pointenreiche Geschichten, Glossen und Gedichte voller Wortwitz.
Gieseking ist mit Spaß und Herzblut bei der Sache und sein Auftritt wie immer auch fast ein wenig familiär. Seine Göttinger Fangemeinde bedankte sich mit viel Applaus.

Bernd Gieseking gastiert mit seinem satirischen Jahresrückblick 2016 auch am Donnerstag, 15. Dezember, im Apex in Göttingen. Die Vorstellung ist bereits ausverkauft.

Von Karola Hoffmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional Orchester Camerata - Bemerkenswertes Temperament

Ein nikolausbemützter A-cappella-Chor, Glühwein in der Pause, am Ende Versteigerung zweier Weihnachtsbäume:  Das Weihnachtskonzert der Camerata medica unterscheidet sich erheblich vom traditionellen Kulturbetrieb – und ist dementsprechend attraktiv. Rappelvoll war am Mittwoch die Aula am Waldweg.

18.12.2016

Der Trompeter Ludwig Güttler und das Leipziger Bach-Collegium sind am Mittwoch, 18. Januar 2017, zu Gast in der Johanniskirche. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Die Musiker bereiten ein Programm mit Werken von Georg Philipp Telemann, Johann Christian Bach, Johann Sebastian Bach, Gottfried Finger und anderen vor.

Peter Krüger-Lenz 14.12.2016
Regional Deutsches Theater Göttingen - Eingereist und ausgeliefert

Mit der Produktion „Ein Blick von der Brücke“ widmet sich das Deutsche Theater (DT) Göttingen dem Thema Migration. Geschrieben hat das Stück Arthur Miller – vor gut 60 Jahren. Regie führt Ingo Berk. Premiere ist am  Freitag, 30. Dezember, um 19.45 Uhr im Großen Haus.

Peter Krüger-Lenz 17.12.2016
Anzeige