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Von Brexit bis Weltuntergang

Bernd Gieseking Von Brexit bis Weltuntergang

Alle Jahre wieder: Am Mittwoch hat Bernd Gieseking seinen satirischen Jahresrückblick im Göttinger Apex präsentiert. Bereits im 23. Jahr mit dem Programm „Ab dafür!“ unterwegs, hat der Kabarettist und Autor das abgelaufene Jahr genüsslich Revue passieren lassen. Wie gehabt, vor ausverkauftem Haus.

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Bernd Gieseking

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. „2016 ist das Jahr der kleinen Schurken. Putin, Trump, Erdogan … Söder“, scherzt Gieseking und legt gleich nach. Richtige Schurken müssten richtig was auf dem Kerbholz haben, so wie Mario Adorf einst als Santer in Winnetou. Und dass jetzt eine Neuverfilmung zu Weihnachten ins Fernsehen komme, obwohl Pierre Brice noch kein Jahr tot ist – „das ist ᾽ne richtige Schurkerei.“
Die Themen wechseln fließend, und der 58-Jährige stellt seine Feststellungen und Gedanken immer wieder gekonnt und gewohnt unterhaltsam in neue und oft überraschende Zusammenhänge. Während viele sich bei Schlagworten wie Brexit, CETA, TTIP und Rechtsruck in Europa dem Weltuntergang nah wähnten, findet Gieseking das Jahr trotz aller Irritationen fantastisch.
Ein Grund zur Freude: „Angela macht weiter.“ Schlechte Umfragewerte, Parteifreunde, die ihr in den Rücken fallen und ein unmenschlicher Druck. Gut, dass Merkel Physikerin sei: „Sie kann Widerstände ausrechnen.“ Komisch wird es mit Joachim Sauers fiktivem Tagebuch. Der schräge private Blick auf die Kanzlerin sorgt für viel Heiterkeit.
Der Politik widmet sich der Dortmunder eingehend. Die Verfehlungen der SPD-Abgeordneten Petra Hinz als „Felicitas Krull“ des Bundestages, Volker Becks Drogenmissbrauch und die AfD, die „zu fast allem etwas gesagt hat“, sind Gegenstand satirischer Kommentare. Und mit Blick auf den künftigen Bundespräsidenten Steinmeier fragt der Kabarettist, ob man wohl mit nur einer Niere das höchste Amt ausüben kann. Ja, lautet die Antwort. Denn US-Präsident könne man inzwischen sogar ohne Gehirn werden.
Satiriker Jan Böhmermann ist für Gieseking der Mann des Jahres. Und Donald Trump nimmt er natürlich auch ins Visier. Beißhemmung zeigt der Ostwestfale allerdings angesichts von Flüchtlingen, Terroranschlägen und Syrienkrieg: „Es gibt auch Themen, die sich Satire entziehen“, bezieht er klar Position.
Die kurzweilige Mischung aus Fakten und Absurditäten, Satire und Nonsens, Kommentaren, Komik und nachdenklichen Momenten stimmt wie immer. Rasant, spitzfindig und geistreich zeigt sich der Kabarettist als scharfer und sensibler Beobachter. Große Ereignisse treffen auf Privates wie schräge Anekdoten aus der Kölner Stammkneipe Fischlounge, Zitate und Zahlen auf pointenreiche Geschichten, Glossen und Gedichte voller Wortwitz.
Gieseking ist mit Spaß und Herzblut bei der Sache und sein Auftritt wie immer auch fast ein wenig familiär. Seine Göttinger Fangemeinde bedankte sich mit viel Applaus.

Bernd Gieseking gastiert mit seinem satirischen Jahresrückblick 2016 auch am Donnerstag, 15. Dezember, im Apex in Göttingen. Die Vorstellung ist bereits ausverkauft.

Von Karola Hoffmann

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