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00:17 27.02.2018
„Von der Göttin zur Gattin“: Wortvulkan Lioba Albus alias Mia Mittelkötter. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Mit weit geöffneten Armen kommt sie auf die Bühne. Schwarzer Rüschenrock, Föhnfrisur, riesige Handtasche, rollendes „R“. Mia Mittelkötter, eine ergraute Perle aus dem Sauerland, die weiß, wo der Hase langläuft. Ihr Mann redet nicht viel, sie dafür umso mehr.

Und die gestandene Perückenträgerin redet Klartext. Zum Einstieg, wie das so war mit der Schöpfungsgeschichte. „Männer waren eigentlich nie vorgesehen.“ Denn, „vonner Logik her“ hatte Gott zunächst nur Frauen geschaffen. Brauchte er doch jemanden, der ihn bewundert für seine Schöpfung. Typisch Mann eben.

Von Gott gesandte Friedensstifterin

Aber dann kam die Schlange ins Spiel. Die Frauen gebaren „Männlein“. Geschöpfe, die mühsam das Sprechen erlernten, aber nicht verstehen konnten. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Doch gut, dass es Mia Mittelkötter gibt. Als von Gott gesandte Friedensstifterin zwischen den Geschlechtern waltet sie ihres Amtes. Für eine Trainingseinheit, „um geschmeidiger miteinander umzugehen“ ist sie nun da. Aber Lioba Albus hat auch noch einige andere Figuren mitgebracht.

Geburtstagsrede zum 50.

Kurz die Perücke vom Kopf gezogen. Und Albus steht da mit ihrer Kurzhaarfrisur, die sie schnell mit Seitenscheitel bändigt. Anzug, Brille. In wenigen Handgriffen verwandelt sich die Schauspielerin und Kabarettistin zum Mann. Einer, der mit der Schnapsflasche in der Hand und immer lallender, seinem Freund zum 50. eine Geburtstagsrede hält, die jeden Rahmen sprengt. Schonungslos, hemmungslos, einfach nur peinlich („Heiraten ... und dann auch noch dieses blutleere Pantoffeltierchen von Erika“).

Eine Ruhrpott-Prolette lässt Albus aus dem Nähkästchen erzählen, wie das so ist, wenn ihr „Sofaecken-Dribbelkönig“ nach einem Schalke-Spiel Beistand braucht, entweder von der Testosteron- oder der Östrogen-Fraktion. Und vom Salsa-Tanzen mit den „Latrin Lovers“ plaudert sie. So unverhohlen und zotig, dass Albus einige ihrer einschlägig bekannten Comedy-Bühnen-Kollegen fast noch in den Schatten stellt.

Rituale zwischen den Geschlechtern

Eine Mutter kommt noch zu Wort, die auspackt, was passiert, wenn eine Horde Teenies einfällt. Ein schwacher Moment. Albus rattert das Ganze etwas arg wie vom Blatt abgelesen runter. Aber mit Mia kommt wieder Spannung und Schwung in die Bude. Ob sie von dörflichen Ritualen zwischen den Geschlechtern berichtet, von der Ehekrise mit ihrem frisch verrenteten Ehemann oder den Begriff „sexueller Übergriff“ aufrollt.

Gut beobachtet und stark überzeichnet lässt Albus ihre Typen von der Leine und verrät dabei viel über gesellschaftliche und menschliche Befindlichkeiten und Eigenarten. Auch wenn das Mann-Frau-Thema nicht gerade das frischeste ist, pustet Albus mit ihrem komödiantischen Können und ihrer Bühnenpräsenz die deutsche Familiengemütlichkeit doch einmal gekonnt kräftig durch. Ein ausgelassener Abend und viel Applaus für den Albus-Auftritt im Apex.

Von Karola Hoffmann

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