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Kabarettist Heino Trusheim macht einen Rückblick in die 1980er Jahre

Kabarett Kabarettist Heino Trusheim macht einen Rückblick in die 1980er Jahre

Stabile Wählscheibentelefone statt Handys mit immer kleineren Tasten, Schützenfeste statt Flatratesaufen und warme, altmodische Lichtquellen statt Energiesparlampen-Geschwüren. „Früher war besser“, ist der Stand Up Comedian Heino Trusheim überzeugt. Am Sonnabend, 14. März, hielt er im Apex ein Plädoyer auf die 80er.

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Im gefühlten Übergangsalter: Heino Trusheim

Quelle: Peter Heller

Früher sei die Welt noch klar definiert gewesen. Da gab es Popper und Hip Hopper, und die Wahl lag zwischen Kaffee und Tee. Heute ist die Anzahl der Jugendkulturen unüberschaubar, und allein für einen Cappuccino muss man sich zwischen short, tall oder grande mit Vanille, Karamell oder Haselnussaroma entscheiden, zum hier trinken oder to go. Mit einem Ohrloch sei er in seiner Jugend ein Rebell gewesen, heute müsse man sich dafür schon einen Bolzen in den Hintern schießen. Dabei seien viele moderne Phänomene gar nicht neu. „Bauchfrei und Hüfthosen gab es damals schon, früher hieß das allerdings aus den Kleidern herauswachsen“, erzählt Trusheim. Mittlerweile 38 Jahre alt, fühle er sich in einem Übergangsalter: „Ich blicke die Töchter an,  die Mütter lächeln zurück.“

Anekdotische Verpackung 

Heino Trusheim liefert eine persönlich gefärbte Retrospektive aus seiner Jugend, verpackt in anekdotische Kurzgeschichten. Jede regt zum Schmunzeln, nicht alle aber zum Lachen an. Stellenweise sind sie nicht mehr als witzige Erinnerungen, die für den Stammtisch genügen, nicht aber für die große Bühne. Schwungvoll wird es erst, wenn sich Trusheim den Absurditäten des Alltags widmet. Er spricht über den chaotischen Familienausflug nach Frankreich („Mann, Frau, vier Kinder – was für eine Erholung eingequetscht im kleinen Pkw“) und den Schnäppchenwahn seiner Mutter („sie hat alles neu, Friteuse, Popcornmaschine und Brotbackautomat, benutzt dann aber ihr gebrauchtes Nudelwasser zum Blumengießen“). 

Geschickt baut er den Kontakt zum Publikum auf und nutzt die ersten 10 Minuten, um seine Zuschauer aus den ersten Reihen kennen zu lernen. Mario, Rüdiger und Almut dienen ihm nicht nur als Projektionsfläche für seine Rollen, sondern machen freudig mit. Ein dankbares Geschenk für jeden Comedian, um das Publikum für sich einzunehmen.

                                                                                                                 Stefan Moriße

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