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Regional Kabarettist Jochen Malmsheimer im Deutschen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Kabarettist Jochen Malmsheimer im Deutschen Theater Göttingen
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00:18 24.04.2013
In aller Ruhe eine Delle in die Zeit sitzen: Jochen Malmsheimer. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Vielleicht ist der Abend deshalb so vielfältig: Vom Heimwerken, über das Gassigehen und über die typische „Ommma“ aus dem Ruhrpott wird erzählt. Doch auch wenn es keinen thematischen Schwerpunkt gibt, ist es offensichtlich, dass der Kabarettist sich eindringlich mit der deutschen Sprache auseinandersetzt. Ein wahrer  Wörterregen prasselt schon am Anfang auf das Publikum ein, wenn es eigentlich nur darum geht, ihnen mitzuteilen, sie sollen ihre Mobiltelefone ausschalten. Dass auch die „Option der genussspendenden Vibration“ deaktiviert werden solle, deklariert der Bochumer, und überhaupt, wozu brauche man ein Gerät mit dem man „smsn“ könne? Von Verben, die keine Vokale beherbergen, halte er nichts.

„Bovistomorph, bovistieren und bovistesk“

Besser hingegen findet der Wortgewandte seine eigenen Neologismen: „bovistomorph, bovistieren und bovistesk“, alle abgeleitet vom pilzartigem Sporenkörper, dem Bovisten. Dieser beschreibe genau seinen Charakter. Genau wie der träge Pilz, sitze er ebenfalls „in aller Ruhe eine Delle in die Zeit“. Dabei kämen ihm oft die besten Einfälle. So auch die Frage, die als Aufhänger für sein Programm dient: „Was macht ein Wort eigentlich nachdem es gesprochen worden ist?“ Davon hat Malmsheimer eine eigene Vorstellung. Er personifiziert Wörter, Silben und Laute und beschreibt eingehend, wie sich diese in einer Bar namens „Satz“ an einem Sonnabend treffen.

„Oachkatzlschwoaf“ (Eichhörnchenschwanz)

Einen einheitlichen Dresscode gibt es dort nicht: Die coolen Verben tragen Imperativ, die antiquierten Plusquamperfekt. Reibelaute, sogenannte Frikative wie zum Beispiel das „f“, reiben sich an anderen Buchstaben. So kann dann am Wirrwarr der Theke schon mal ein Verschlusslaut, ein Affrikat wie das „pf“ entstehen. Was auch passieren kann und zwar immer dann, „wenn es physisch oder mental zur Hochsprache nicht reicht“, ist, dass die „Dialektpresse“  ihr Unwesen treibt. Nur so kann sich Malmsheimer Worte wie das oberbayrische „Oachkatzlschwoaf“ (Eichhörnchenschwanz) erklären. Das Publikum – der große Saal des DT ist bis auf den letzten Platz gefüllt- liebt diese Welterklärungsversuche.

„Neues aus der Anstalt“

Bekannt wurde Malmsheimer als eine Hälfte des Kabarett-Duos „Tresenlesen“, das er von 1992 bis 2000 zusammen mit Frank Goosen bildete. Seitdem tritt er überwiegend als Solokünstler auf und ist den Meisten aus der ZDF-Kabarett-Sendung „Neues aus der Anstalt“ ein Begriff. Hier schlüpft er regelmäßig in die Rolle des Anstalts-Hausmeisters. Dabei begeistert er mit seiner blühenden Fantasie, seiner Schonungslosigkeit, seinem trockenen Humor, der zeitweise stark an „Loriot“ erinnert, und vor allem mit seinem ausgefeilten Wortwitz. Eines ist an diesem Abend klar geworden: Wenn Worte reden könnten, würden sie für Jochen Malmsheimer eine Lobeshymne anstimmen.

Von Sarah Lodder

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