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Kabarettist Matthias Brodowy im Apex

Göttingen Kabarettist Matthias Brodowy im Apex

Von Sofa-Jogging und Handywahn bis zu Kindheitserinnerungen und Politiker-Albträumen: Kabarettist Matthias Brodowy hat am Sonnabend sein Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ im ausverkauften Göttinger Apex präsentiert.

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Matthias Brodowy

Quelle: Peter Heller

Göttingen. „Gesellschaft mit beschränkter Haltung.“ Damit sind nicht die Besucher im Apex gemeint, die schon Haltung bewiesen hätten, indem sie eine Karte fürs politische Kabarett gekauft haben. „Ich meine damit die anderen, also die, die jetzt nicht hier sind. Zuhause faul auf dem Sofa liegen, sich durchs Fernsehprogramm zappen“, sagt Brodowy. „Das ist in der Weltgeschichte schon immer so gewesen: Es waren nämlich immer die anderen.“

Und von der Haltung ist Brodowy auch schon bei der Körperhaltung. Abertausende von Generationen habe es gedauert, bis der Mensch aufrecht gehen konnte. „Und dann kam das Smartphone.“ Sagt es und klappt dabei auch gleich in die typische Körperhaltung nach vorne. „Wir haben uns der Maschine gebeugt. Wir haben sie in der Hand. Aber sie hat uns auch in der Hand.“

Brodowy redet sich in Rage

Brodowy redet sich in Rage. Von den alltäglichen Ängsten redet er, vom sozialen Druck durch soziale Netzwerke, von politischen Veränderungen, die in Ländern wie Ungarn und der Türkei um sich greifen und auf Meinungsmacher und Stimmenfänger zeigt er, die erst für Unsicherheit sorgen und sich dann als Retter hinstellen. „Gegen Donald Trump erscheint George W. Bush geradezu wie ein abendländischer Intellektueller.“

Vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Prix Pantheon, dem Deutschen Kleinkunstpreis und Altmeister Hanns Dieter Hüsch verlieh ihm einst den Kabarettpreis „Das schwarze Schaf“ – hat der Hannoveraner als selbsternannter „Vertreter für gehobenen Blödsinn“einfach ein Gespür für die richtige Mischung aus Tiefgang und Heiterkeit. Menschliches und ganz Alltägliches wechselt mit Politischem und gesellschaftlich Relevantem.

Mit seinen Liedern, wunderschönen Balladen und eingängigen Chansons, die der ausgebildete Kirchenmusiker singend am Klavier vorträgt, lässt Brodowy die Themen zu musikalischen Bildern werden, mit viel Gefühl und Nachdruck, mal heiter, dann wieder kritisch und besinnlich. „Seit es Poetry Slam gibt, darf der Kabarettist auch mal lesen.“ Und so liest Brodowy auch Texte vor, kleine literarisch absurde Geschichten, voller Poesie, Fantasie und fein geschliffenem Wortwitz. Da führt eine verirrte Rosine in einem Eis zu einer spannenden, kafkaesk anmutenden Begegnung und eine S-Bahn nach Paderborn wird zum Teilchenbeschleuniger.

„Das Leben ist schön“

Brodowy kritisiert und findet auch sehr deutliche Worte, aber er regt genauso zum Schmunzeln und Nachdenken an. Der 45-Jährige, der ehedem außer Deutsch und Geschichte auch katholische Theologie auf Lehramt studiert hat, bevor er sich für die Kabarettisten-Laufbahn entschied, findet immer den richtigen Ton. Trotz aller Katastrophen solle man auch immer denken: „Das Leben ist schön.“ Dass Brodowy sein Publikum mit seinen Worten und Gedanken erreicht hat, zeigen dann auch die vielen begeisterten Kommentare der Besucher auf dem Weg nach draußen.

Von Karola Hoffmann

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