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Kabarettist und Comedian Daniel Helfrich im Göttinger Apex

Die Bösen werden unterschätzt Kabarettist und Comedian Daniel Helfrich im Göttinger Apex

Immer stehen sie im Vordergrund: die Guten. Sie befreien Prinzessinnen, bringen Verbrecher hinter Schloss und Riegel oder retten gleich die ganze Welt. Doch könnten sie ihren Triumph gar nicht feiern, wenn sich ihre Gegenspieler nicht genauso ins Zeug legen würden.

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Erzählt Geschichten von bösen Wichten: Daniel Helfrich.

Quelle: Heller

Göttingen. Bösewichter, die die kompliziertesten Pläne schmieden und trotzdem weit weniger Beifall bekommen. Die Bösen werden unterschätzt, das findet der Kabarettist Daniel Helfrich. Deshalb spielen Schurken, Kriminelle und Kanaillen in seinem Programm „Das halbnackte Grausen – Geschichten von bösen Wichten“ die Hauptrolle.

Der Saal im Apex ist nicht ganz gefüllt, als Helfrich den Abend mit einer Umfrage startet: „Wer sind Ihre Lieblingsschurken?“ Nur drei Ideen lässt sich das Publikum entlocken: Der Joker und der Pate werden zuerst genannt. Superschurken, doch es geht auch eine Nummer kleiner. Der eigene Chef ist die letzte Antwort – quasi als fieser Bösewicht des kleinen Mannes.

Helfrich setzt sich ans Klavier und trällert einen kleinen Fragebogen – ein Test, um zu prüfen, wie viel Schurke in jedem einzelnen im Publikum steckt. Hand hoch, wer bei der Steuer nicht alles angegeben, wer schon einmal gekifft hat oder die GEZ-Abgaben prellt.

Reumütig sieht man einige die Hand heben und den Kopf senken, als die kleinen Missetaten jedes einzelnen zu Vorschein kommen. Dem Publikum gefällt es.

Zwischen tiefschwarzem Humor und wohligem Quatsch

Helfrichs Programm wechselt zwischen liebenswürdig und bitterböse. „Eines weiß ich definitiv, die EU ist ein schönes Land. Aber mein Gesellenbrief, der wird hier nicht anerkannt“, singt Helfrich im Refrain über einen Henker, der um seine berufliche Zukunft fürchtet. Schließlich könnten sich immer weniger barbarische Diktatoren an der Macht halten.

Zwischen tiefschwarzem Humor und wohligem Quatsch verliert Helfrich niemals ein ernstes Wort. Er prangert nicht an, er macht Comedy – gute Comedy jenseits ausgetretener Pfade. Seine Idee, Bösewichter in den Mittelpunkt zu stellen, erweist sich als erfrischende Abwechslung.

Ob Frankenstein als Disney-Musical oder die Nacherzählung von Shakespeares Macbeth: Helfrich nimmt sich Zeit für Geschichten. Und er zeigt, dass auch den Halunken Ehre gebührt.

Etwa wenn Dr. Fu Man Chu eigentlich die Weltherrschaft übernehmen will und von Angela Merkel am Telefon erst einmal zur Rettung der EU verdonnert wird: „Nächste Woche ist wieder ein Rettungsschirm an die Griechen fällig – Sie kommen wie gerufen.“

Von Daniela Lottmann

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