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00:17 19.01.2017
Anny Hartmann erklärt auch wirtschaftliche und politische Fakten einfach und verständlich.  Quelle: Wenzel
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Göttingen

Man mag es kaum glauben, aber sie hat es wirklich getan. Hartmann ist einst vom Comedy-Fach ins politische Kabarett gewechselt. Die Auseinandersetzung mit politischen Themen für ihren ersten kabarettistischen Jahresrückblick im Jahr 2009 hatte ihr so viel Freude gemacht, dass die Kleinkunst-Konvertitin  im Herbst 2010 mit einem politischen Soloprogramm auf Tour ging. Für „Humor ist, wenn man trotzdem wählt“ gab es auch gleich die Sankt Ingberter Pfanne und den Fränkischen Kabarettpreis.

Mit einem Rap als „Schnelldurchlauf zum Eingrooven“ legt die Kölnerin los. Danach lässt sie chronologisch die vergangenen zwölf Monate Revue passieren. Von der Silvesternacht auf der Domplatte samt der „Armlänge Abstand“, die sich auch als Running Gag durch das Programm zieht, über Böhmermanns Schmähgedicht, Brexit und AfD, Flüchtlinge, Terroranschläge, Olympia und Maut bis zur Wahl in Österreich lässt sie dabei nur wenig aus. Natürlich geistern auch Erdogan und Donald Trump hartnäckig durch den Abend.

Neben der großen Weltpolitik verliert die Kabarettistin auch weniger Spektakuläres nicht aus den Augen. So finden sich unter anderem Kükenschreddern, Tim Wiese im Wrestlingring und die Tatsache, dass die „Vergewaltigungsdroge“ K.o.-Tropfen immer noch frei erhältlich sind, im Rückblick wieder.

Fix wechselt die Schnellsprecherin („Sonst komme ich ja zu nichts“) von einem Thema zum nächsten, und das Publikum ist herausgefordert, bei all der Information konzentriert bei der Sache zu bleiben. Doch die Kölnerin hat ein probates Mittel, das Publikum bei guter Laune zu halten. Immer wieder streut sie Witze und lockere Sprüche ein, und richtige Antworten auf ihre „Zitat-Rätsel“ belohnt sie mit kleinen Schokotäfelchen. Hartmann versteht es, zu unterhalten.

Einfach und verständlich erklärt die Diplom-Volkswirtin zwischendurch auch wirtschaftliche und politische Fakten, Hintergründe und Zusammenhänge, etwa wenn es um Waffenhandel und Arbeitsplätze oder um Steueroasen und die Zurückhaltung politischer Entscheidungsträger geht. Hartmann scheint es wichtig zu sein, ihrem Publikum etwas mit auf den Weg zu geben, zum Nachdenken anzuregen und dazu, sich zu positionieren.

„Sie verfügt über die drei großen Hs des Kabaretts – Humor, Haltung und Hirn“, sagte einst Volker Pispers über Anny Hartmann. Dem kann man sich nur anschließen.

Von Karola Hoffmann

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