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Kammermusikserenade im GDA-Wohnstift

Das Beste aus zwei Welten Kammermusikserenade im GDA-Wohnstift

Die dritte Kammermusikserenade des Göttinger Symphonie-Orchesters im GDA-Wohnstift war etwas Besonderes. Nicht nur gab es das in seiner Expressivität wohl reizvollste Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch zu hören – nach der Pause wurden Jazzstandards interpretiert. Der Titel: „East and West“. Die musikalische Scharnierfigur: Wojtek Bolimowski.

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Musikalische Scharnierfigur: Wojtek Bolimowski mit seinem Ensemble.

Quelle: Hinzmann

Der gebürtige Warschauer ist in der Tat dafür prädestiniert, Klassik und Jazz zusammenzuführen, denn mit seiner Violine ist er in beiden Genres aktiv. Das Zusammentreffen der beiden leider oft in eine Hierarchie gestellten Kunstformen inszenierte er auf besondere Weise.

Schostakowitschs Streichquartett Nr. 2 in A-Dur mag sich klassischer Formprinzipien bedienen, die Tonsprache ist aber zu jeder Zeit höchst progressiv. Im 1944 komponierten Werk hört man die Zeitgeschichte wüten und muss, sofern man darauf aus ist, harmonische Klänge unter den Trümmern einer entrückten Mehrstimmigkeit suchen.

Liisa Hovi (Violine), Oksana Labach (Viola) und Lucile Chaubard (Violoncello) vom „Geigenhofquartett“ bewiesen sich als dem äußerst schwierigen Werk gewachsen. Bolimowskis erste Violine führte mit zuweilen wunderbarer Fragilität durch die vier Sätze.

Nach der Pause dann also Jazz, unprätentiös und im Kontext der sogenannten Kunstmusik endlich ohne Rechtfertigungsdrang. Es liegt nahe, dass Bolimowski mit George Gershwin den Symphoniker des frühen Jazz als Brückenbauer wählte. Das vom Polen arrangierte „I Got Rhythm“ aber überraschte dann doch: Bolimowski denkt, und das lässt sich auf all seine Bearbeitungen von Jazzstandards übertragen, seine Komposition nicht von den Akkorden der Vorlage her.

Vielmehr kleidet er die Melodien in ein neues kammermusikalisches Gewand und versieht sie mit reizvoller Stimmführung. Natürlich musste Chaubard dann doch des öfteren eine typische Basslinie zupfen, aber niemals bevor das Arrangement zuvor eigene Wege gegangen war: Bolimowskis Auseinandersetzung mit Jazzstandards vereinigt das Beste aus zwei Welten.

Die des Jazz war übrigens nicht ohne eigene Vertreter: Hanna Carlson verlieh „Summertime“ oder „Caravan“ ihre sanfte Stimme, während mit Gregor Kilian ein Pianist präsent war, den man in Göttingen nicht mehr vorzustellen braucht. Wer Kilian als virtuosen Boogiepianisten kennt, war vielleicht von seiner geschmackvollen Zurückhaltung überrascht: Seine Klavierparts waren überwiegend ohne Streicherbegleitung zu hören, wo ihm Bolimowskis dichte Arrangements Platz ließen.

So funktionierte das Grenzen überschreitende Konzept auch zu sechst.

Von Jonas Rohde

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