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Kantorei St. Jacobi und GSO mit Batholdy-Oratorien

Konzert in Göttingen Kantorei St. Jacobi und GSO mit Batholdy-Oratorien

Die beiden vollendeten Oratorien Felix Mendelssohn Bartholdys stammen zwar aus ein und derselben Feder, könnten unterschiedlicher aber nicht sein: Wo „Paulus“ sich musikgeschichtlich an Vorbildern aus der Vergangenheit orientiert, strebt „Elias“ mutig nach vorn.

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Beachtliche Gesamtleistung: Kantorei St. Jacobi und das Göttinger Symphonie-Orchester.

Quelle: Rohde

Göttingen. Das Oratorium nach den Worten des Alten Testaments op. 70 erzählt vom Propheten Elias und ist in seiner dramatischen Expressivität, die sich in zahlreichen Höhepunkten und kompositorischen Besonderheiten niederschlägt, vielleicht unerreicht. Die Kantorei St. Jacobi stellte sich gemeinsam mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) unter der Leitung von Stefan Kordes dem über zweistündigen Mammutwerk – mit bewundernswertem Ergebnis.

Der von Mendelssohns Freund Julius Schubring zusammengestellte Text erzählt von Elias‘ Kampf gegen die Verehrer Baals und, wie sollte es anders sein, den Triumph des Propheten nach etlichen Jahren des Haderns und Zweifelns. Besonders reizvoll ist, dass Mendelssohn auf einen Erzähler verzichtet und die Handlung entgegen der Oratorientradition von den Figuren selbst vortragen lässt.

Eine besondere stimmliche Überraschung

Schon die Einleitung, eine Prophezeiung, dass die Ungläubigen mit Dürre geschlagen werden, ist an dramatischer Proklamationskraft kaum zu überbieten: Henryk Böhm (Bass) lässt als Elias die Teufelsintervalle durch die Jacobi-Kirche schallen, seine Stimme kündet unheilsschwanger und elegisch vom kommenden Leid. Sein Bass ermüdet aber auch später zu keinem Zeitpunkt angesichts der affektreichen Ausdruckskraft, die Mendelssohn diesem Part geschenkt hat. Stephanie Henke (Sopran) und Ulrike Schneider (Alt) sorgten ebenso ausdrucksstark und mit schallender Brillanz für die höheren Lagen, auch Clemens Löschmanns klarer Tenor gefiel in der Rolle des Elias-Schülers Obadjah.

Eine besondere stimmliche Überraschung bot Christian Hallensleben, der mit dem kurzen, aber anrührenden Knabenpart den ersten Teil krönte. Dass Kordes ihn auf einer Empore platzierte, die dem präzise spielenden Orchester und dem Chor gegenüberlag, war dabei nur eines von vielen Beispielen seiner kreativen Führungskraft.

Eine weitere Besonderheit in Mendelssohns Werk ist die zentrale Stellung, die er dem Chor beimisst. Die Kantorei St. Jacobi nutzte das daraus resultierende dramaturgische Potenzial: Als Volk Israels vermochten sie das verschwörerische Zischeln zu einem Wutausbruch zu steigern, der glaubhaft in der Forderung nach Elias‘ Tod gipfelt. Das Erscheinen Gottes auf dem Berg Horebs muss hingegen ohne Worte funktionieren: Hier leuchteten die Streicher des GSO lieblich hervor. All das kündet von einer beachtlichen Gesamtleistung.

Von Jonas Rohde

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