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Karikaturisten und der Mauerfall

Ausstellung Karikaturisten und der Mauerfall

Zum Ende des Jubiläumsjahres der Wiedervereinigung sind im Alten Rathaus in Zeichnung gebannte, sehr spöttische Blicke auf die Ereignisse vor zwanzig Jahren zu sehen. Zwanzig Karikaturisten – zehn aus Ost- und zehn aus Westdeutschland – haben ihre Werke durchforstet und bissiges aus der Zeit vom Herbst 1989 bis 1990 zu Tage gefördert. Kuratorin Martina Schellhorn, Berlin, hat daraus eine Wanderausstellung komponiert, die bis 31. Oktober 2010 zu sehen ist.

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Konzentriert: Karikaturen fordern Aufmerksamkeit.

Quelle: Heller

„Gab es denn die politische Karikatur im Osten?“ Diese Frage sei ihr mehrfach gestellt worden, erklärt Schellhorn zu Beginn der Vernissage. Natürlich seien kritische Karikaturen eher unerwünscht gewesen. Aber sofort nach dem Mauerfall begannen viele, mit spitzer Feder zu zeichnen. „Im Übrigen war der Karikaturist Ost ein wahrer Verpackungskünstler, dessen Witz man erst nach und nach auf die Spur kommen musste.“

So subtil wirken die Karikaturen, die im Alten Rathaus ausgestellt sind, jedoch nicht, - eher schon offensichtlich bissig. Ostdeutsche Politiker stehen dabei weniger häufig im Zentrum des Spottes. Das Interesse an ihnen scheint schnell verloren gegangen zu sein. Im Mittelpunkt steht mehrheitlich das Handeln westdeutscher Politiker oder auch der so genannten Wessis im Allgemeinen. So lässt Harald Kretzschmar, geboren in der DDR, unter der Überschrift „Westleser liest Ostbuch“ einen Wessi mit gemauerter Brille ins Buch schauen. Zwei Karikaturen weiter heißt es von ihm „Deutschland, eilig Vaterland“.
„Tja mein Lieber, Dialog will gelernt sein“, lautet die Sprechblase eines Westdeutschen in einer Karikatur des Ostdeutschen Reiner Schwalme. Zu sehen sind ein Ost- und ein Westdeutscher im Gespräch, wobei auch der Schatten des „Ossis“ dem Gesprächspartner zugewendet ist, während sich der Schatten des „Wessis“ vollständig vom Gesprächspartner abwendet. Noch bissiger wirkt jedoch der Österreicher Horst Haitinger, der unter dem Motto „Vorsicht, da kommt Hilfe“ ein älteres Ehepaar auf einem Zebrastreifen von heranrollenden, überdimensionierten Ein-D-Mark-Stücken überfahren lässt.

Keine typische Sicht

Insgesamt bietet die Ausstellung die interessante Gelegenheit, mehrere Karikaturisten zu einem gemeinsamen Thema unter einem Dach zu sehen. Nicht nur Sprach- wie Zeichenstile unterscheiden sich lebhaft. Gleiche Unterthemen wurden offenbar sehr unterschiedlich wahrgenommen und zum Teil gegensätzlich im Rahmen einer Karikatur verarbeitet. Dabei ist es jedoch keineswegs so, dass es eine typisch westdeutsche oder typisch ostdeutsche Sicht auf die Dinge ergibt. Der Katalog, der die gezeigten Karikaturen abbildet und Informationen über die Künstler bereitstellt, kann kostenlos angefordert werden bei der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, Heinrich-Mann-Allee 107, 14473 Potsdam.

Bis 31. Januar dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9.

Von Heike Jordan

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